Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Im Namen ... [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 16)
- Language
- German
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Im Namen . . . . 177 daß es vor allem auf das Aussprechen des Namens ankomme. Jetzt erfahren wir den Grund: dem Namen, und zwar dem ausgesprochenen, kommt nach einer weit verbreiteten Anschauung, die schließlich in ein von H. nicht unpassend (nach, wenn ich nicht irre, Clodd) »Namenphilo- Sophie« genanntes System gebracht wurde, eine absonderliehe Macht zu. Das ist die Grundlage für den Gebrauch des Namens im A. T. auch bei der Taufe und selbst im Gebet. Das »Milieu« (wie das abscheuliche Modewort lautet anstatt des gut deutschen »Umgebung« oder »Hintergrund«) ist vorzüglich das zeitgenössische Judentum — auf dieses legt H. das Hauptgewicht — aber auch dem synkretistischen Heidentum ist diese Auffassung vertraut. Das ist die übliche »zeitgeschichtliche«, neuerdings zur »religionsgeschichtlichen« erweiterte Methode der neutestamentlichen Forschung. Ich kann nun nicht genug darüber staunen, wie genau diese Forscher das Judentum von ca. 100 a. bis 50 p. kennen und sogar dicke Bücher über »die Religion des Judentums im Zeitalter Jesu« schreiben, worin sie uns ausführlich auseinanderzusetzen wissen, wie es in Kopf und Herz der palästinisehen Schriftgelehrten und Bauern aussah. Ich meinerseits bekenne, daß ich von dem (palästinischen!) Judentum dieser Zeit so gut wie nichts weiß. Ich kenne das A. T. — das Judentum vielleicht bis Alexander d. Gr., ich kenne weiter die talmudisch-midraschische Literatur — das Judentum der nachhadrianischen Zeit, ich kenne endlich die Apokryphen — eine heterogene Schriftenmasse von höchst unbestimmter Zeit und Herkunft, aber Dokumente, authentisch, ausführlieh und zahlreich genug, um darnach die Religion des Judentums zur Zeit der Entstehung des Christentums zu beschreiben, kenne ich nicht. Ich ziehe auch (so wenig »befangen« bin ich!) die Konsequenzen zu Ungunsten des Judentums, d. h. ich halte die Polemik und Apologetik jüdischer Forscher, welche gegenüber der von Christen Entworfenen Nachtansicht des Judentums a u s d e n s e 1 b e n 12 Monatsschrift, 52. Jahrgang.