Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829814-2888204--36031-2888255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 155 vielm e h r zur Beglaubigung der von ihnen verkündeten Wahrheiten stets nur an das Gewissen des Volkes. Sie halten dem Volke nur Dinge vor, welche e§ selbst hätte wissen müssen, und nur so ist ihr Auftreten als Verkündigendes Strafgerichtes erklärlich, da ein solches nur denkbar ist, wenn man Pflichten versäumt, die ffiaft hätte erfüllen sollen. Wie sollen dagegen die donnernden Drohungen eines Arnos ünd Hoseä wegen Unterlassung von bis dahin gang unbekannten Pflichten zu begreifen sein? Und wie konnten weiter diese Propheten zu einer tief in Animismus und Totemismus steckenden Horde plötzlieh von Begriffen wie »göttliche Gnade, göttliche Weisheit, göttliche Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe« sprechen? Hat in der ganzen Religäonsgeschichte der Fetischismus irgendwelche Empfänglichkeit dafür bewiesen? Müssen diese Propheten riieht vielmehr durchaus die Bekanntschaft mit diesen Begriffen bei ihrem Volke Vorausgesetzt haben? Arnos frägt seine Zuhörer gelegentlich Seiner Zurechtweisung und seiner Bezugnahme auf die Vergangenheit: "דזאף אין זאת בני ישראל נאום ד" ist es nicht so Ihr Söhne Israels?« (Arnos 2, 11). Arnos und Hoseä söwie die ältesten Saulquelleh sprechen vön Prophetenschulen (z. B. I Sam. 10, 5 u. öfter). Diese Propheten können ihre Bücher mir für ein lesendes und schriftkundiges Publikum geschrieben haben, da innerhalb eines illiteraten Volkes niemand für die späte Zukunft Bücher schreibt. Die Sprache des Arnos und Hoseä steht außerdem stilistisch und rhetorisch so hoch, daß durchaus eine Jahrhunderte lange literarische Tätigkeit vorausgesetzt werden muß. Arnos und Hosea müssen ferner bei ihren Zeitgenossen die vollständige Bekärthtschaft rriit dem rtiöriotheistischeh Gedärikeh Vdrgeflinden haben, da sie ihn als ganz selbstverständlich fördern. Dieses allgemeine Vorhandensein des latenten Monotheismiis auch im Nordreiehe bleibt nach der Evolutionstheorie völlig unerklärlich. Die sätyrische Berner-