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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 2 · p. Seite 153

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 2
Article
Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
Date
1908-01-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 153 Aber auch die ganze israelitische Geschichte der etwa 700 Jahre, welche zwischen Moses und den ältesten Schrift- Propheten liegen, beweist die Unmöglichkeit der kritisehen Behauptung, wonach Amos und Hosea den ethischen Gottesbegriff erst geschaffen hätten. Unzählige Male ist Israel während dieser Zeit von allen umgebenden Völkern blutig verfolgt und unterdrückt worden. Wenn während dieser ganzen vorprophetischen Zeit nur die von den Evolutionisten kombinierte Volksreligion allein bestanden nachweisbar. Wie man nach der Evolutionstheorie das Christentum der alten Patristik als das Ergebnis eines langwierigen Prozesses aus der spätmittelalterische Kirchenliteratur ansehen müßte, genau so würde die babylonische Religion der allerältesten Periode viel besser hinter die neubabylonische passen (vgl. A. Jeremias, Monotheistische Strömungen usw. 2, f. Winckler) Religionsgeschichtlicher und geschiehtlicher Orient, 7 f.). Oder würde die monotheistische Bewegung Ägyptens im 15. Jahrhundert v. Chr. nicht viel besser in die Entstehungs- Periode des Christentums passen? Die kritische Schule will die Handlungsweise eines Micha, Jephtah, Simson udgl. als Illustration der religiösen Anschauungen ihrer Zeit benutzen. Fällt jedoch nicht die erschreckende sittliche und religiöse Entartung Roms und Griechenlands gerade in die Zeiten der höchsten Blüte ihrer Religions- Philosophie? Es ist übrigens im Bereiche der Religionsgeschichte noch lange nicht erwiesen, daß die Religionen sich immer von unten nach oben zu entwickelt haben, und daß Animismus, Fetischismus usw. die Vorgänger der wahren Religiosität gewesen sind, wie dies die kritischeSchule als selbstverständlich voraussetzt. Sehleiermachers Grundsatz, daß das wahre Wesen der Religion am reinsten an ihrer Quelle zur Erscheinung komme, findet mit jedem Tag immer mehr Bestätigung in den Fachkreisen. Jemehr man vorwärts schreitet, destomehr tritt der Glaube an den Himmelsgott, der aber mit der Zeit von Auswüchsen überwuchert wird, in den Vordergrund. Polydämonismus und Totemismus erscheinen immer mehr als Parasiten am Baume der wahren Religiosität. Die gesamte christliche Theologie bezeichnet ja doch das angebliche Erstarren des nachexilischen Judentums im Gesetze als einen bedauerlichen Rückfall von der Prophentenreligion. Warum soll nicht auch das Judentum der Richterperioden in einem solchen Stadium sich befinden dürfen? Warum darf gerade die Lehre Mosis nicht ebensogut jahrhundertelang erfolglos geblieben sein, wie-diejenige des Arnos und Hosea?

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