Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
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152 Die bibelwissenschaftiiche Literatur der letzten Jahre. Geständnis genötigt sehen,daß der Begriff der »ethischen Heiligkeit« bereits auch dem JHW der Volksreligion von Anfang an beigelegt gewesen sei, da schon im Deboraliede, dem anerkannt ältesten jüdischen Volksepos sich die Wasserschöpferinen von der Gerechtigkeit JHWs erzählen (Ri. 5,11 : בין משאבים שם יתנו צדקות די). Welche Annahme liegt nun der gesunden Logik näher? Die, daß die hebräischen kriegerischen Beduinen dem durch Moses übermittelten Donnergotte JHW gelegentlich einmal »ethische Heiligkeit« zugeschrieben, und ältesten Propheten, Arnos und Hosea unvermittelt diesen daß nachher die Wüstenheros zum Inbegriff aller Ethik und Heiligkeit gemacht hätten? Oder die, daß der ethische Heiligkeits begriff JHWs zugleich mit dessen N a me n schon ursprünglich gelehrt wurde, und daß dieser reine Gottesbegriff sich in erleuchteten Kreisen bis zu den Propheten in seiner ursprünglichen Form fortgepflanzt hätte, während in den primitiven Volkskreisen die machthaberische Allgewalt dieses Gottes hervorgekehrt wurde? Istnicht die letztere Annahme die einleuchtendste von der Welt? Begegnen wir nicht derartigen Erscheinungen auch durch den ganzen Verlauf der Kulturgeschichte bis auf den heutigen Tag auf Schritt und Tritt? Findet sich nicht heute noch bei alten primitiven christlichen Völkern der roheste und gröbste Aberglaube, und ist nicht trotzdem die reinere Anschauung die ursprünglichere und ältere? Ganz ebenso können wir den Kampf zwischen der geistigen Religion und deren sinnlicher Auffassung durch die ganze israelitische Geschichte verfolgen. Daraus folgt aber mit Notwendigkeit, daß die »ethische Heil i g k e i t« das u r s p r ü n g 1 i c h e Hauptattribut JHWs gewesen ist, und daß diejenige G0ttesauffassung, welche von der Kritik als V01 ksre 1 igion bezeichnet wird, in Wi 1־k 1 •i-chkeit nur eine Verduhke 1 ung des ursprünglichen gejäuterten Gottesbegriffs gewesen ist1). ג) Solche Rückfälle sind in der ganzen Religionsgeschichte