Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 149 Darauf gaben die Evolutionisten die interessante Antwort, wunderlicher Weise habe Israel, gerade Israel, seine eigenen moralischen Schwächen und besonders seine Intoleranz auf seinen Gott übertragen, und eben diese unduldsame Natur JHWs habe der jüdischen, christlichen und islamitischen Kulturwelt den Monotheismus geschenkt. Der »ethische Monotheismus« aber sei »einfach« eine Spezialleistung der ersten Propheten Arnos und Hosea und sei von deren Nachfolgern Jesajas, Jeremias u. s. w. nur noch fortgebildet worden. Im Übrigen sei dieser »ethische Monotheismus« keine übernatürliche Eingebung gewesen, sondern nur durch die politischen Verhältnisse veranlaßt worden. Diesen psychologischen Vorgang denken sich die Evolutionisten wie folgt: Zu den Attributen des volkstümlichen JHW habe der Heiligkeitsbegriff gehört, der aber in dem JHW-Bilde der Volksreligion ein ganz sekundäres Attribut gewesen sei. Das Hauptcharakteristikum JHWs in der Volksreligion sei seine Stärke und Allgewalt gewesen, weshalb JHW nach dieser Anschauung seine Stärke selbst auf Kosten seiner ethischen Heiligkeit zur Geltung bringe. So habe er z. B. das Herz Pharaos verstockt, um nachher das Ägyptervolk unschuldig zugrunde richten zu dürfen, lediglich למען רנות מופתי בארץ מצרים (II M. 11, 9), ferner tötete er die 50.000 Bürger von Beth-Schemesch ohne Grund, streckte den Usa hin, trotz seiner löblichen Absicht die Lade vor den Unfall zu schützen usw. (vergl. I Sam. 6, 19; II Sam. 6, 6 ff.) — alles nur, um seine Unnahbarkeit zu proklamieren. Da nun dieser JHW der Volksreligion hauptsächlich und berufsmäßig ein גנור ואיש מלחמה war, so mußte er, nachdem durch den Untergang des Zehnstämmenreiches seine Ohnmacht dem Assyrergotte gegenüber gründlich gezeigt war, konsequenterweise seines Amtes enthoben werden; daher haben denn auch wirklich die nach Asien verschleppten Zehnstämme, ihren besiegten Gott dort fallen lassen, und auch