Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829814-2888204--36023-2888247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die bibelwissenschaitliche Literatur der letzten Jahre. 147 Hexateuch-Komposition die ganze Sinai-Episode als ein späteres Einschiebsel und leugnen daher jegliche Offenbarung. Im Zusammenhang damit schreiben sie mit Behagen sämtliche in den geschichtlichen und in den prophetischen Büchern geschilderten Laster und religiössittlichen Perversitäten des Volkes einfach auf das Konto der legitim e n israelitischen Vplksreligion, welche Moses vorgefunden, und an der er, mit Ausnahme der Proklamierung seines JHW, nichts geändert habe. Noch tausend Jahre nach Moses soll diese Volksreligion in so hohem Ansehen gestanden haben, daß noch Jeremias habe ausrufen können ״מספר עריך היו אלוהיך יהודה״. E)ie Entwicklungstheoretiker betrachten diese Vorgänge nicht als fortgesetzte Rückfälle in den Götzendienst wider besseres Wissen, wie es die biblischen Schriftsteller darstellen, sondern als harmlose Handlungen, die optima fide erfolgten und ebendarum auch von den Propheten bei ihren steten Anklagen nirgends mit dem Hinweis auf ein altes Gesetz sondern nur mit einem Appell an die bessere Einsicht des Volkes bekämpft wurden. Die Propheten hätten keineswegs das Bestreben gehabt, eine alte Verfassung wieder herzustellen. Sie konnten sich um so weniger für Agenten Moses ausgeben, als die Handlungsweise des Volkes mit der mosaisehen Lehre in keiner Weise in Widerspruch stand. Sie haben vielmehr aus eigener Initiative für die von ihnen produzierten Überzeugungen gekämpft. Nach der Behauptung dieser Schule habe daher das vorprophetische Israel weder eine spezifisch israelitische Religion noch irgend ein Gesetz gekannt. Seine primitiven Religipnsanschauungen seien vielmehr denen der übrigen orientalischen Beduinen identisch gewesen, und sein Gesetz habe höchstens in etlichen herkömmlichen Stammesgebräuchen bestanden. Moral sei Brauch und Sittlichkeit Sitte gewesen. Die Propheten iVmos und Hpsea hätten dann den ersten Versuch gemacht, diese Vplksreligion in eine Welt- 10*