Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. nicht sowohl um eine Zusammenfassung des Gesamtsystems der biblischen Theologie als vielmehr um Erklärungsversuche der E n t s t e h u n g der biblischen Religion handelt. In der Zeichnung der Entwicklung, welche die israelitische Religion während des ganzen prophetischen Zeitalters bis über das Exil hinaus durchgemacht hat, sind die Abweichungen der mannichfachen Anschauungen im Grunde nur graduell verschieden. Die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale zeigen sich vielmehr besonders in der Darstellung der »mosaisch-vorprophetischen« Religion. Hier, bei der Besprechung und Würdigung der von den ältesten Propheten Vorgefundenen Grundlehren der israelitischen Religion stoßen die Ansichten am schroffsten aufeinander. Denn hier handelt es sich um die brennende Frager ob die israelitische Religion in irgend einer Art von Off e n barung ihren Ursprung hat oder nicht. Das Problem, über dessen Lösung die heftigsten Kämpfe entbrannt sind, lautet daher nicht : was lehrt die biblische Religion? sondern; was hat die israelitische Religion gelehrt, bevor Arnos und Hosea schriftstellerisch aufgetreten sind? Da nun nach den biblischen Berichten die mündlichen Zurechtweisungen der Propheten erfolglos waren, und da erst das nach den anderweitigen Theorien angeblich kurz vor der Zerstörung Jerusalems veröffentlichte Deuteronomium als ein Kompendium der prophetischen Belehrung die gewünschten Resultate erzielte, so müßte die von den Entwicklungstheoretikern konstruierte und als »vorprophetisch« bezeichnete Volksreligion als die eigentliche vorexilische oder mindestens vordeuteronomische Religion Israels angesehen werden. Ein Bild von dieser sogenannten vorexilischen Religion, haben wir bereits oben (Jahrgang 51, S. 659 ff.) entworfen. Bei der Konstruktion dieser vordeuteronomischen Religion verfahren die radikalkritisehen Schulen sehr einfach. Sie betrachten nämlich nach dem Muster der Wellhausenschen