Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
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142 Die Satire in der jüdischen Literatur. II. S. 860). Das genannte Märchen berichtet über den Streit, den die Menschen und die von ihnen beherrschten Tiere vor dem Könige der Genien geführt haben. Die Mensehen leiteten ihr Recht, die Tiere zu unterjochen, aus den Vorzügen ab, durch die sie die Tiere übertreffen. Letztere dagegen bestritten dieses Recht, indem sie auf ihre eigenen Vorzüge hinwiesen, welche denen der Menschen nicht nachstünden, und auf die Fehler der letztem aufmerksam machten, von denen sie selbst frei wären. Diese Fehler werden von den Wortführern der Tiere, von denen sich besonders der Papagei, der wie ein Philosoph spricht, durch seine Beredsamkeit ausgezeichnet hat, in der schärfsten Weise gegeißelt. Das genannte arabische Märchen wird dadurch zur beißendsten Satire auf die verschiedenen Fehler der Menschen. Es ist zwar nicht jüdischen Ursprungs, hat aber in der hebräischen Übersetzung des Kalonymos eine jüdische Färbung erhalten und konnte daher in der vorliegenden Abhandlung nicht übergangen werden. Ich kann nicht umhin, auf eine Stelle des genannten Märchens (II. Pforte, Abschn. VIII, deutsche Übersetzung p. 83) aufmerksam zu machen. Es wird daselbst erzählt, »daß eine Mücke Nimrod, den größten König unter den Königen der Welt, getötet habe, weil er sich überhoben habe und hochmütig gegen Gott gewesen sei.« Ich weiß nicht ob sich diese Stelle auch im arabischen Original findet. Die deutsche Übersetzung davon, welche Diterici in Berlin 1859 unter dem Titel »Rechtsstreit zwischen Mensch und Tier, ein arabisches Märchen« veröffentlicht hät, liegt mir nicht vor. Merkwürdig ist die Parallele mit der von mir in dieser Abhandlung erwähnten Sage, nach der Titus von einer Mücke zu Tode gequält wurde, ln der Vorrede zu der genannten Übersetzung sagt Kalonymos, daß er sie auf Verlangen seiner Freunde wegen des instruktiven Inhalts und des ethischen Zweckes des Buches verfaßt habe. Dieses wolle den Menschen darüber be-