Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 Die Satire in der jüdischen Liieratur. seite des irdischen Daseins, indem der Mensch, ohne einen höhern sittlichen Zweck zu verfolgen, in flüchtigem Sinnesgenusse keine dauernde Befriedigung findet. Die Schilderung dieser Mängel des menschlichen Lebens ist oft satirisch gehalten, ich hebe zwei satirische Piecen heraus und gebe sie bei der Schwierigkeit, welche die wörtliche Übersetzung des Lehrgedichtes bietet, in treuer, sinngemäßer Übersetzung wieder. Diese Piecen gehören zu den Kernpunkten des Gedichtes und drücken den Gedanken aus, daß alles Glück trügerisch und alle Freude eitel ist, die der Mensch im vergänglichen irdischen Gute und nicht vielmehr in der durch Glauben, Tugend und Weisheit begründeten geistigen und sittlichen Selbstveredlung sucht. Ich überschreibe diese Piecen mit »trügerischem Glücke« und »eitler Freude«. I. D a s trflgeriscbe Glück. Günstig war der Augenblick, ln dem du gewannst das Glück; Hast dich ihm ganz hingegeben, Ihm allein geweiht dein Leben. Die Sache war doch umgekehrt, Denn das Glück hat dich betört; Das Glück war eine Dirne, Die dir naht mit frecher Stirne. Sie hat dich 0 Tor verführt, Und dein schwaches Herz gerührt; Dich umfaßt mit ihren Armen, Wollt’ an deiner Brust erwärmen. Hat deine Würde sie zerstört, Dann sie dir den Rücken kehrt. Und du denkst mit bitt’rer Reue, An die Falschheit und Untreue.