Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829814-2888203--36012-2888237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Satire in der jüdischen Literatur. 137 ein kraftstrotzender, wenn auch etwas zudringlicher Dichter. Die Verse lauten in der Übersetzung etwa also: Alexander einst zum Krieg5 gegen Weiber zog, Deren weiser Rat zum Rückzug5 ihn bewog, Da ^er entweder Weiber nur könnt5 besiegen Oder, was schmählich war5, Weibern gar erliegen. Isaak b. Abraham Gorni, so genannt nach seiner südfranzösischen Vaterstadt Aire hebr. גורן (Ende des 13. Jahrh.), wird von Jakob b. David Pro v i n c i.a 1 e aus Marseille (1490) als Dichter neben Charisi genannt. An ihn erinnert er in der Kraft und Schönheit seiner Sprache, und mit ihm hat er auch das ruhelose Wanderleben gemein, in dem er sich, vom Unglück heimgesucht, an die Vornehmen der Provence um Hilfe wandte. Seine Gönner pries er in herrlichen Gedichten, diejenigen aber, die ihm in der einen oder anderen Weise unfreundlich entgegenkamen, geißelte er in bitterbösen Satiren, die schon mehr Pamphlete sind. Die Gegner namentlich Jesaja b. Samuel דבש, wohl Muel aus Aix, blieben ihm die Antwort nicht schuldig, sondern zahlten ihm mit gleicher Münze heim (vgl. Gallia Iudaica, S.148.) Gorni hat sich durch seine Renomisterei, Streitsucht und maßlose Heftigkeit, die allerdings auf die Rechnung seiner Verbitterung über sein Mißgeschick zu setzen ist, viele Feinde gemacht. Von Abraham Bedarschi, den er in einem Gedichte verherrlicht hat, wurde er anfangs in Perpignan freundlich aufgenommen, später aber wegen seiner Zudringlichkeit unsanft bei Seite geschoben. Gorni nannte sich selbst »eine Zypresse unter Dornen«. Nun, an Dornen hat es ihm auf seinem Lebenswege nicht gefehlt. Er fand bei der Mitweit keine Gunst und wurde von der Nachwelt vergessen. Die wenigen seiner Gedichte, die sich zusammen mit denen seiner Gegner erhalten haben, wurden erst in neuerer Zeit veröffentlicht (zwei davon von Steinschneider a. a. O. und die übrigen von mir selbst, Monatsschr. 1882>