Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
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134 Die Satire in der jüdischen Literatur. die Bekehrungsgesehichte Buddhas behandelte, von einem Christen ins Griechische und von einem Muhammedaner ins Arabische übersetzt, und von jedem der beiden in dem Sinne seiner Religion modifiziert wurde, i bn C h i s d a i hat dieses Werk wahrscheinlich aus dem Arabischen übersetzt und durch mancherlei arabischen und jüdischen Quellen entnommene Parabeln, Erzählungen und Sinn- Sprüche und verschiedene eigene Gedichte vermehrt. Diese Dichtung enthält nicht nur im Original, sondern auch in der Fassung Ibn C h i s d a i s eine Fülle ethisch-satirischer Momente, und mußte daher in meiner Abhandlung erwähnt werden. Abraham Ibn Chisdai war ein eifriger Anhänger des Maitnonides, dessen More Nebuchim in Spanien und Südfrankreich in zahlreichen Streitschriften von den einen aufs heftigste angegriffen und von den andern aufs wärmste verteidigt wurde. Neben der. schweren Waffen, deren sich die Streitenden bedienten, fehlte es nicht an leichten, aber tiefer verwundenden, giftigen Pfeilen, welche die Kämpfer gegen einander schleuderten, an kleinen epigrammatischen Sinngedichten oder Xenien. Letztere gehören zur Satire, insofern sie, wenn auch gegen eine einzelne, bestimmte Person gerichtet, doch eine große geistige Bewegung betreffen, den Kampf der vernunftgemäßen Auffassung mit dem starren Buchstabenglauben des Judentums. Letztere Richtung war besonders vertreten durch Meir b. Todros ha-Levi Abulafia aus Toledo (1180—1244), der unter anderem die Auferstehungslehre des Maimonides angegriffen hat. (3תאכ אלרפאייל, Paris 1841.) Sc besehet b. Isaak ha-Naßi aus Barcelona dichtete auf ihn folgendes Epigramm: Warum sein Name: Meir »leuchtend«, Da er gering das Licht doch schätze? Nennt man ja Dämmerung auch Zwielicht; Die Sprache liebt die Gegensätze.