Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 131 h a־E s r a c h i, das ist der Dichter selbst, das Wort führt, das er mitunter an Cheber ha־Keni, einen fingierten Abenteurer, richtet. Charisi gedenkt rühmend der jüdischen Dichter, die vor ihm oder zu seiner Zeit gelebt haben, schildert die Eindrücke, die er, ein fahrender Sänger, auf seiner Wanderung durch viele Lande empfangen hat, spendet den Personen, mit denen er in Berührung kam, Lob oder spricht seinen Tadel über sie aus, je nachdem sie das eine oder andere verdient haben, berichtet über die verschiedenen Situationen und Verhältnisse des Lebens, in die er Einblick gewonnen hat, und schleudert die scharfen Pfeile seiner Satire gegen die verschiedenen Fehler, Laster und Schwächen der Menschen, die er kennen gelernt hat. C h a r i s i s Satire ist meistens aus dem vollen Leben geschöpft. Es gibt bei ihm auch scherzhafte Satiren, so unter anderem die in der 48. Makame enthaltene, welche überschrieben ist: »Der Arzt und der von Liebesgram schwer Erkrankte«. Der Inhalt der Satire auf den verliebten Narren — das wäre wohl die passende Übersetzung der Überschrift — ist folgender. Ein junger Mann verliebte sich sterblich in eine schöne Dame, erhielt aber von ihr einen Korb, an dem er sehr schwer getragen hat. Ganz gebrochen vor Schmerz, begab er sich zu einem berühmten Arzte, klagte ihm sein Leid und suchte bei ihn Heilung. Der Arzt gab ihm zwei Rezepte, die ich, da sich Charisis Verse oft schwer wörtlieh übersetzen lassen, in freier aber doch möglichst dem Texte sich anschließender Übersetzung wiedergebe: Der Arzt lachte erst, als er hörte, Was der Kranke von ihm begehrte; Dann sagte er mit ernster Mien’ Zu ihm: Sehr gerne ich dir dien’. Ich will zwei Mittel dir empfehlen. Du kannst sogleich das erste wählen. Erhältst du aber es nicht leicht, Dann auch das and’re Mittel reicht. 9*