Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Redaktion der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 685 (sequence 8)
- Language
- German
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Zur Redaktion der Mischna. 685 VI. Die Kontroversen in der Mischna und unsere Regel. Wie bereits früher bemerkt, findet die aus dem Kanon R. Jochanans von uns abgeleitete Regel, wonach die H a 1 a c h a in der Mischna stets durch die an letzter Stelle aufgeführte Ansicht angedeutet werde, ebenso auch auf die Kontroversen der Tannaim in der Mischna ihre Anwendung. Dies soll nunmehr hier des Näheren nachgewiesen werden. Bevor wir indessen die Richtigkeit dieser Regel im Einzelnen an der Hand zahlreicher Beispiele aus der Mischna erproben, ■wollen wir vorerst einige Argumente mehr allgemeiner Natur voranschicken, indem wir auf eine Reihe teils konstanter, teils wiederholt wiederkehrender Erscheinungen in der Mischna hinweisen, welche .ebenso sehr unsere Regel bestätigen, wie sie selbst erst durch diese ihre Erklärung finden. 1) Wie bekannt, werden in den zahllosen Krontroversen zwischen den Schulen Schammais und Hiliels die Hilleliten, bis auf vereinzelte Ausnahmen, stets nach den Schammaiten aufgeführt. Diese auffällige Erscheinung hat bisher noch keine Erklärung gefunden. Selbst Frankel hat sie mit Stillschweigen übergangen und höchstens an der Erklärung der Ausnahmefälle sich versucht1). Die seltsame Erklärung Krochmals (a. a. O. 169), dem sich merkwürdiger Weise auch Hoffmann (a. a. O. 52) anschließt, wonach die Anordnung dieser Kontroversen in der Mischna auf die Bescheidenheit der Hilleliten zurückzuführen sei, findet gerade durch den Talmud selbst, auf welchen sie sich berufen, ihre Widerlegung2). ‘) Hodeg. 292, Bemerkung 3. 2) Erubin 13 b (vgl. Jerusch. Sukka U, Hai. 8, 53 b) wird allerdings die Bescheidenheit der Hilleliten hervorgehoben, welche die