Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 6 · p. Seite 670

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 6
Article
Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
Date
1907-01-01
Page
Seite 670 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829810-2888056--35745-2888102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

670 Die bibehvissenschaftUche Literatur der letzten Jahre. kultischen Institutionen teilweise umgestaltet Die sozialen Einrichtungen blieben ganz unverändert. Moses Bedeutung Hegt gar ni ch t in dem was er gelehrt, und nur teilwei se in dem was er getan, hauptsächlich aber in seiner Person. Wenn aber späterhin Mose’s Person hinter seinen vermeintlichen Leistungen zurücktritt, so hat diese Erscheinung ihren Grund lediglich darin, daß Mose’s Lehre und Wirkung von derjenigen der späteren Propheten ganz in den Schatten gestellt wurden. Von den beiden Dekalogen — Ex. c. 20 und c. 34 — geht kein einziger auf Moses zurück; der bekannte Dekalog ist frühestens im 7. Jahrhundert entstanden, da angeblich die ganze vorexilische, außerpentateuchjsche Literatur weder einen Dekalog noch ein Offenbarungsgesetz am Sinai kennt. Der JHW. den Mose aus dem sinaitischen Gebirge mitgebracht hat, und dem der Sinai oder der Horeb geheiligt war, gehörte wie alle Berggötter dem tiefsten sittlichen Niveau1) an. J) Der vorexilische JHW. war für Israel dasselbe was für die Heiden die Dämonen waren, er war von unheimlichem, bedrückendem Charakter. Alle Kalamitäten wurden auf ihn zurückgeführt. Seine Nähe war tötlich, vgl. Exod. 4, 24 ויפגשהו ד׳ ויבקש המיתו; Num. 4, 20 ולא יבואו לראות •בבלע את הקודש ומתו; I Sam. 6, 19 ויך באנשי בית שמש בי ראו בארון די, שבעים איש תמשים אלף! איש; II Sam. 6 ויאחז בו כי שמטו הבקר ... ויכהו שם אלהיט ויטת . . . פרק עוזה; Pest kommt wenn er durch das Volk schreitet, vgl. Exod. c. 11. Es war nicht unstofflich gedacht, als Kriegsgott zieht er mit ins Feld (Deuter. 23, 15 ,כי ד׳ אלהיך מתהלך בקרב מחניך להצילך וגו). Er‘ war weder allmächtig (die Philister rauben ihn samt seiner Behausung, Richter 4—5}, noch allwissend (er muß nach Sodom gehen, um feststellen zu können *הכצעקתה הבאה אלי עשו וגו), noch s i 111 i c h (vgl. die קדשות), noch g e r echt (er befiehlt Israel die Ägypter zu bestehlen, schützt Abraham gegen Abimelech, obgleich der Erstere den Letzteren belogen und ins Unglück gestürzt hatte, verzehrt Unschuldige mit den Schuldigen, tötet 7700 Israeliten wegen Davids Unvorsichtigkeit, II Sam. 24,17 ויאמר דוד הנה אנכי ח^אתי ואנכי העויתי ואלה הצאן מה עשו). Nirgends in der vorprophetischen Literatur wird eine die sittliche Kraft steigernde Wirkung von JHW. abgeleitet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.