Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 667 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829810-2888056--35742-2888099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 667 Und gerade diese wunderliche Behandlungsweise der sog. »vorexiiischen Trümmer« bestätigt, wie wir bereits hervorgehoben haben, die Tatsache, daß die Evolutionisten ganz außer Stande sind, irgend eine Darstellung der mosaischen vorexiiischen Religion auf Grund biblischer Quellen zu geben. Sie müssen vielmehr ihr Bild von der altisraelitischen Religion auf Grund nachmuhammedanischer arabischer Schriftsteller entwerfen und können diesem fertigen Bilde, da sie den allergrößten Teil der hl. Schrift als spätere Fälschung verwerfen, höchstens nachträglich einige biblische Zitate, die durch alle möglichen und unmöglichen Kombinationen zurecht gemacht sind, zur Verbrämung anhängen. Mit solchen Hilfsmitteln gelingt es dann den Evolutionisten etwa folgendes Bild von der mosaischen vorexiiischen Religion zu entwerfen1): In der großen arabischen Steppe südlich von Palästina, hausten seit undenklichen Zeiten arabische Beduinenhorden, die von jeher Ebräer genannt wurden. Einige dieser Stämme, die sich ursprünglich um eine Kultusstätfe, welche einer Göttin Lea geheiligt war, scharten, bezeichneten sich als Nachkommen dieser Göttin, und später, als die Götter zu Menschen degradiert waren, als Söhne dieser Stammmutter Lea, wovon der Name Levi abzuleiten ist. Diese Stämme waren in Wirklichkeit gar nicht blutsverwandt, sondern der gemeinsame Kult einigte die Beduinen zu Stämmen. Später ließ sich eine Gruppe dieser Lea-Stämme in der schönen Oase zu Kadesch, קדש ב ונע vgl. Exod. 17, 2 f. Num. 20, 2 f. nieder und verehrten dort eine Göttin Mirjam, der die dortige berühmte Quelle עין משפט זזיא קדש, welche heute noch ein wichtiger Sammelpunkt x) Vgl. Wellhausen, Israelitische Religion in Kultur d. G. I.V, 1 (1905); Stade, Bibi. Theologie d. A. T. (1905); Budde, Gesch. der althebräischen Literatur (1906); Marti, Relig. d. A. T. (1906); Gesch. d. isr. Religion (1907) u. v. A.