Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 665 (sequence 7)
- Language
- German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre 665 man allüberall, wo man wolle, Altäre bauen und auf ihnen opfern dürfe מזבח אדמה תעשה לי וזבחת עליו וגוי בכל מקום 'אשר אזכיר את שמי וגו׳, Erst nach dem Sturze des nordisraelitischen Reiches, hätte man solche Gedanken hegen können, die Hiskijanische Reform (II Kön. 18,4) sei ohne Erfolg geblieben. Die wilde Entartung Manasse’s erst habe bei den Propheten die Überzeugung gefestigt, daß ein einigermaßen erfolgreicher Kampf gegen den Baalkultus nur dann zu erhoffen sei, wenn der gesamte Kultus ausschließlich unter Aufsicht der jerusalemitischen Priester gestellt würde. Mit dieser Tendenz sei um 620 das Deuteronomium verfaßt und veröffentlicht worden, ein Unternehmen, welches von großem Erfolge gekrönt gewesen sei, vgl. II Kön. c. 23, II Chronik c. 341). 1J Als der neueste und zugleich der glücklichste Versuch zur Lösung dieses sondeibaren Rätsels von dem bei der Renovation des Tempels aufgefundenen Gesetzbuche ist wohl derjenige des berühmten Ägyptologen Ed. ׳Navi Ile in seiner jüngst erschienenen Abhandlung — Egyptian writings in foundation walls and the age of the book of Deuteronomy — anzusehen. Naville weist inschriftlich nach, daß es in Ägypten schon in den urältesten Zeiten häufiger Brauch war, heilige Dokumente nicht nur unter den Füßen von Götterstatuen sondern auch in den Grundmauern der Tempel aufzubewahren. Von einem Teil des von ihm bearbeiteten ägyptischen Totenbuches wird z. B. berichtet, daß es von dem Maueraufseher gefunden worden sei, welcher die Arbeiter beim Umbau des Tempels überwachte. Dieses Stück soll in den Fundamenten des Osiristempels gefunden worden sein. Ähnliches berichtet eine Inschrift des Tempels von Denderah, daß König Thutmes III., als er diesen Tempel umbaute, das Gesetz, welches.die Zeremonien für den Kultus der Göttin vorschreibt, innerhalb einer Mauer von Ziegelsteinen gefunden habe, geschrieben auf einem Ziegenfell in altertümlichen Schriftzügen. Diese Mauer sei von König Pepi (VI. Dynastie) gebaut worden. Auch Thutmes (XV11I. Dynastie) fällt in die Zeit vor dem Auszuge Israels aus Ägypten. Also war damals schon dieser Brauch in Ägypten üblich. Bauurkunden haben gewöhnlich auch die Babylonier in den Ecken der Tempel niedergelegt. Zwischen diesen inschriftlichen Berichten und dem biblischen Betichte von der Auffindung des mosai־? sehen Gesetzbuches bestehen ganz frappante Parallelen. Auch Josia nimmt am Tempel zu Jerusalem einen Umbau vor und verwendet dabei