Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 663 (sequence 5)
- Language
- German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. ßöffc diesen großen Kulturträgern wirklich stattgefunden haben, werden diese bis in die späteste nachexilische Zeit herabgerückt, und biblische Sitten und Vorschriften werden bekanntlich selbst dann mit Vorliebe auf die perversesten Instinkte zurückgeführt, wenn deren ethische Motive von den biblischen Schriftstellern selbst nachdrücklich hervorgehoben werden1). Und gesetzt sogar, es hätte in Israel wirklich einmal eine Zeit gegeben, in der diese Bräuche aus animistischen, dämonistischen, totemistischen Gründen geübt wurden, folgt daraus, daß diese Motive durch die ganze Geschichte bis in die späteste Zeit richtunggebend geblieben sind? Werden etwa die zahllosen heidnischen germanischen Sitten, welche, wie bekannt, heute noch bei den zivilisiertesten Völkern Europas nachweisbar sind, noch in der Gegenwart von ihren ursprünglichen Anschauungen begleitet? Oder denkt der heutige Christ bei der Weihnachtsfeier wirklich noch an das alte Julfest und bei der Osterfeier an die alte Göttin Ostara und dgl. germanisches oder keltisches Heidentum? In den biblischen Berichten aber dürfen Handlung und Motiv durchaus auseinandergerissen werden, weil — nun weil Graf und Wellhausen die Benützung des biblischen Textes ganz und gar der Willkür der Exegeten preisgegeben haben. Die Berechtigung hierzu glaubten sie aber, auf folgendem Wege erreicht zu haben: Die uralte Beobachtung des Widerspruchs zwischen den geschichtlichen J) Nur einige Beispiele von vielen: Das Blut ist zum Genüsse verboten, weil man sich scheute, einen fremden Dämon zu inkörporieren, trotz der vielfachen Motivierung »בי הדם היא הנפש ולא תאכל הנפש עם הבשר*■ Die Leviratsehe wird auf Totenkult zurückgeführt, ungeachtet der mehrfachen Begründung , , , ולא ימחה שמו מישראל להקים לאחיי שם בישראל . . . אשר לא יבנה בית אחי' ונו. Ebenso wird das Heimschicken des Verlobten, פן ימות במלחמה ואיש אחר יקחנה, des Furchtsamen und Verzagten, ולא ימם את לבב אחיי כלבבו dahin erklärt, daß sie unter bestimmtem Dämoneneinfluß stehen usw.