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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 6 · p. Seite 656

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 6
Article
Die Wissenschaft des Judentums
Date
1907-01-01
Page
Seite 656 (sequence 16)
Language
German
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656 Die Wissenschaft des Judentums. es die .wissenschaftliche Kraft in den Lernenden nicht fördert, wenn die Professuren sich immer mehr teilen und ihren Gegenstand als besondere Gebiete ausbilden, so erachtet die Fakultät es nicht für zweckmäßig, daß die jüdische Geschichte aus dem wissenschaftlichen Verbände mit der allgemeinen Geschichte herausgerissen werde• So lange in der Weltgeschichte die Juden einen Staat bilden, gehört ihre Geschichte in die Geschichte des Altertums und abgesehen von den ausführlichen Vorlesungen in der theologischen Fakultät, welche sich auf das alte Testament beziehen, kommt in den Vorträgen über alte Geschichte die welthistorische Bedeutung der Juden zum Rechte, und wo sie aufhören einen Staat zu bilden, geht ihre Geschichte in die allgemeine Kultm>Geschichte über. Die hiesige philosophische Fakultät, bei welcher es noch nicht einmal eine eigene Professur für die Kultur*Geschichte gibt, und welche nach den von ihr bisher beobachteten Gesichtspunkten auch eine solche nicht für Tätlich erachtet, glaubt um so weniger, eine Professur für die jüdische Kultur-Geschichte beantragen zu können. •Was sie schon früher bei mehreren Veränlassungen gegen die Errichtung einer ordentlichen Professur für die Preußische Geschichte, die doch sicher einer Hochschule im Mittelpunkte des preußischen Staates näher läge, ausgeführt hat, das glaubt sie jetzt auch gegen den Antrag auf Gründung einer ordentlichen Professur für jüdische Geschichte einwenden zu müssen, und wie es überhaupt in ihr keine ordentliche Professur für spezielle Geschichte gibt, so kann es bei ihr auch keine für die jüdische geben. Eine eigentümliche Seite der jüdischen Geschichte und Litteratur bildet die Religion, deren Bedeutung für eine preußische Universität dadurch steigt, daß sich eine beträchtliche Zahl der Bewohner des Landes dazu bekennt. Indessen glaubt die hiesige philosophische Fakultät, sich selbst getreu, jede konfessionelle Beziehung, die grundsätzlich in den Kreis ihrer Lehre hineingelegt würde, von sich abweisen zu müssen. Selbst den Unterschied, welcher auf den Universitäten in Bonn und Breslau, die neben der evangelischen auch eine katholisch-theologische Fakultät in sich begreifen, hinsichtlich der evangelischen und katholischen Lehrstühle der Philosophie und Geschichte besteht, hat die hiesige philosophische Fakultät, als ihrem Wesen fremd, stets von sich ferngehalten. Was bei ihr dem Bekenntnisse der im Lande so viel zahlreicheren Katholiken nicht eingeräumt wurde, giaubt sie umso weniger dem jüdischen zugestehen zu können. Am wenigsten kann sie ihrer Natur nach zugeben, daß ihr der Keim zu einer jüdischen theologischen Fakultät eingeimpft werde. Der Träger der jüdischen Religion ist ein Priestertum. Priester oder Rabbiner zu bilden, ist die Aufgabe seminarischer Anstalten,

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