Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 657 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wissenschaft des Judentums. 657 aber nicht eigentlich-der Universitäten; am wenigsten einer philoso־ phischen Fakultät, welche von keinem Positiven gebunden die freie Wissenschaft vertritt. Wollte die jüdische Philosophie, wie sie in einem, Philo und Maimonides zu Tage gekommen, die Aufnahme in die philosophische Fakultät in Anspruch nehmen, so ließe sich für sie eben so wenig als für die arabische oder scholastische eine eigene Professur stiften, zumal da nicht einmal die griechische Philosophie, die schöpferischer ist als alle, ein solches Vorrecht ausüben darf. Die jüdische Geschichte und Litteratur hat endlich noch eine eigentümliehe philosophische Seite, deren Wichtigkeit von der hiesigen philosophischen Fakultät nicht verkannt wird. Indessen ist für das Hebräische an der hiesigen Universität hinlänglich gesorgt, und wenn man das Talmudische, ■—obwohl Männer an der hiesigen Universität sind, die es verstehen, — vermissen sollte, so ist dies ein Spezial-Interesse, für welches etwa, wie in Leipzig der Dr. Fürst für die rabbinische Litteratur, nach der Ansicht der Fakultät ein Lektor zu bestellen wäre. Wenn hienach die hiesige philosophische Fakultät sich gegen den Antrag auf Errichtung einer eigenen Professur für jüdische Geschichte und Litteratur erklärt hat: so ist sie doch nicht gemeint, wissenschaftliche Bestrebungen dieser Art von sich abzuweisen. Wie sie noch in keiner wissenschaftlichen Richtung Habilitationen ausgeschlossen hat, so wird sie dieselben auch für jüdische Geschichte und Litteratur gern annehmen, wenn sich bei ihr für dieselbe ein Mann zum Privatdozenten meldet, der mit den allgemeinen Forderungen deutscher Wissenschaft die besonderen erfüllt, welche die Statuten der Fakultät stellen. Dann wird die Erfahrung über das Bedürfnis und die Leistung entscheiden. Diesen Weg sind alle Diszipiinen gegangen, welche in neuerer Zeit den Kreis der Universitäts- Studien erweiterten. Sie drängten sich nicht vor, sie ließen sich nicht von oben einsetzen, sondern, da ihnen ein freier Spielraum geöffnet wurde, arbeiteten sie sich auf der gewöhnlichen Bahn zu einer geistigen Macht hinauf. Will die jüdische Geschichte und Litteratur zu einem eigenen und ansehnlichen Lehrfach der Universität werden, so muß sie stillen und sicheren Schrittes sich auf diesem Wege erproben und bewähren. Die Fakultät glaubt es mit der jüdischen Geschichte und Litteratur nicht anders halten zu können als mit anderen neuen Disziplinen. Die Stellung eines Privatdozenten ist frei und ehrenvoll,־ namhafte Gelehrte sind ihr Schmuck, sie wird daher auch für einen Vertreter jüdischer Geschichte und Litteratur annehmbar sein. Ew. Wohlgeboren habe ich mich verpflichtet gehalten, im Wesentlichen die Gründe mitzuteilen, wodurch die hiesige philosophische Fakultät von ihrem Standpunkt aus bestimmt wird, sich gegen Monatsschrift, 51. Jahrgang. 42