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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 6 · p. Seite 645

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 6
Article
Die Wissenschaft des Judentums
Date
1907-01-01
Page
Seite 645 (sequence 5)
Language
German
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Die Wissenschaft des Judentums. 645 in christlichen Kreisen und damit zur Begründung der deutschen Reformation beigetragen hat. Diese Vielseitigkeit ist freilich auch dem Umstande zuzuschreiben, daß sich das Judentum durch die frühzeitige Zer- Streuung seiner Bekenner über alle Länder der Kulturwelt jenen universellen Zug bewahrte, der ihm schon bei seiner Entstellung von seinen Propheten aufgeprägt worden war. Dadurch nämlich, daß sich die Juden stets in Sprache, Bildung und Sitte den Völkern assimilierten, in deren Mitte sie lebten, sowie durch ihre rege Beteiligung an allen Kul־ turbestrebungen ihrer Zeitgenossen wurde nicht bloß das Judentum innerlich bereichert, sondern auch das Kulturleben der Völker mächtig beeinflußt. Tatsächlich wurde der Lehrgehalt des Judentums im Verläufe der Zeiten in den meisten Kultursprachen dargestellt und überliefert, wodurch jenes gegenseitige Geben und Empfangen eintrat, auf dem der Fortschritt aller religiösen Entwickelung beruht. Kann daher das Judentum mit Recht von sich sagen, daß es bei den größten Umwälzungen der Menschheit mitgewirkt hat; daß die geistigen Strömungen, welche das Leben besonders der abendländischen Völker völlig umgewandelt haben, zu einem nicht geringen Teile von ihm ausgegangen sind, so ist es keine Selbstüberschätzung, wenn es, wie einst der Prophet, der Israel ein »Licht der Völker«1) nennt, sich noch heute vom Atem der Weltgeschichte angeweht fühlt, und wenn es trotz der Verhältnismäßig geringen Anzahl seiner Bekenner sich als einen wichtigen Kulturträger der Menschheit betrachtet und das Programm noch durchzuführen hofft, das ihm einst als messianisches Ziel von seinen Propheten verkündet worden ist. Dieses Ziel kann das Judentum in erster Reihe nur durch den intensiven Betriebseiner Wissenschaft erreichen. Wohl trägt dazu, wie bei jeder Sendung, die auf die Ausbreitung einer Heilslehre abzielt, auch das 1J Jes. 42, 6.

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