Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 644 (sequence 4)
- Language
- German
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@44 Die Wissenschaft des Judentums. schaft des Judentums auch von Nichtjuden angebaut und gefördert werden kann. Tatsächlich hat sie besonders in demjenigen Teile, der auch für die christliche Theologie ip Betracht kommt, in dem sogenannten alten Testamente, von christlichen Forschern bedeutende Förderung erfahren; und daß unsere Bibel von ihnen nicht aus sich selbst, sondern aus der steten Rücksicht auf das neue Testament beurteilt wird, ist zwar im Interesse der Wissenschaft bedauerlich, wenn auch begreiflich; aber das ändert nichts an der Tatsache, daß christliche Forscher zum Verständnisse des biblischen Altertums im Ganzen wie im Einzelnen sehr viel beigetragen haben. Ist nun die Wissenschaft im allgemeinen die Darlegung des menschlichen Geisteslebens, wie es in Naturbeherrschung und Weltanschauung zum Ausdruck gelangt, so ist die Wissenschaft des Judentums ein bedeutender Ausschnitt derselben, insofern sie das religiöse Geistesleben einer Gemeinschaft behandelt, die aus den ältesten Zeiten in die Gegenwart hineinragt. Und diese ihre Bedeutung wächst noch in unseren Augen, wenn wir die vielseitige Entwickelung des Judentums überschauen : wenn wir sehen, wie es sich in der ältesten Zeit aus dem Heidentum zum jhvismus durchringt; wie es sodann gegen den kanaanitischen Baal- und Astartendienst ankämpft und sich nachmals mit der persischen Lichtreligion auseinandersetzt; wie es hierauf nach dem Zusammenstoß mit dem Griechentum seine Eigenart noch schärfer faßt und zur Ueberwindung des Heidentums im Abendlande das Christentum aus sich ausscheidet und durch seine spätere Einwirkung auf den Stifter des Islam auch im 1Mörgenlande das Heidentum überwindet; und wenn wir endlich erwägen, daß das Judentum auch am Ausgange des Mittelalters durch die treue Ueberlieferung und sachgemäße Kommentierung der hebräischen Bibel nicht unwesentlich zur Wiedererweckung der hebräischen Studien