Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Papyrusfund von Assuan
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 623 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Papyrusfund von Assuan. 623 Juden damals nach Nissan und nicht nach Tischri gezählt haben1), fer- *ner, daß die Juden ihre Monate mit dem Sichtbarwerden des Neumondes begonnen haben und endlich, daß damals zwar Einschaltungen zum Ausgleich des Sonnen- und Mondjahres schon vorgenommen wurden, daß aber darin noch eine Unsicherheit herrschte, weil es ein festes System hiefür noch nicht gegeben hat. Die dort genannten jüdischen Monate sind אב ,אלול ,תשרי כסליו ,שבט, wozu im Papyrus-Sachau auch noch מרחשלן kommt, . Die rhetorische Wendung der Ketubbah תלי לי ל א נ ת ל findet sich auch dort schon. Also selbst in dem Bewahren des unregelmäßigen לאנתו statt לאנתא hat sich die jüdische Tradition treu gezeigt. Von kulturhistorischem Interesse ist dann vor allem das gute Einvernehmen zwischen den Juden und den Andersgläubigen. Dicht neben dem Juden wohnt ein Priester der ägyptischen Götter, vgl. Pap E 15. Vergleiche jedoch den Inhalt des Papyrus Sachau. Auch der Unterricht und die Erziehung scheinen nicht weniger als beklagenswert gewesen zu sein. Die 11 Kontrakte rühren von 8 Schreibern her, darunter von 5 Juden; auch die Unterschrift der Zeugen ist eigenhändig. In Pp. G. 15 kommt für die Zahl 8 ein ח vor, woraus folgt, daß die Buchstabenschrift im Judentum originell und nicht von den Griechen entlehnt ist, wie seit jeher angenommen wird. Aus Pap G. 22, 26, ebenso C. 8—9 geht deutlich hervor, daß auch die Frau die Ehe lösen konnte. Auch war sie bei der Scheidung immer im Vorteil, denn sie bekam ihre Mitgift in jedem Falle wieder, selbst wenn die Scheidung von ihr ausging, vgl. Z. 24—25 des oben wiedergegebenen Papyrus G., während der Mann in einem ähnlichen Falle den מהר verlieren mußte, vgl. Z. 27. In dem oben übersetzten Pap. F. schließt die ,מבפזחיד selbst Verträge ab. Daß die wirtschaftlichen Verhältnisse ziemlich leidliche waren, geht aus dem Ganzen hervor. Frau מבטחיה bekommt als Witwe in zweiter oder dritter Ehe 12 Sekel Silber, 3 große Stück Zeug, allerlei Geräte und 2 Becher von Bronze. Ganz besonders aber zeigt der Papyrus Sachau von dem außerordentlichen Reichtum, der Eiephantinischen Judengemeinde, sowohl betreffs des Tempelschmuckes als auch hinsichtlich der dem Bagoas versprochenen Summe. Von den dort vorkommenden Münzen ist besonders zu erwähnen, daß eine durch die Abbreviatur ך gekennzeichnet wird. Lidzbarski hat bewiesen, daß diese Münze ,־ רבעתד= Vierer hieß und den Wert von 4 Gera hatte, also der fünfte Teil eines Sekel war, da nach Exod. 30, 13 עשרים גרה השקל war. ג) Aber nur in den Verträgen, vgl. Babli Rosch ha-Schanäh I, באחד בניסן ראש דשנה למלכים, מאי למלכים לשטרות.;