Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Alte Testament in der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 587 (sequence 19)
- Language
- German
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Das Alte Testament in der Mischna. 587 Sie lebten und webten in der Schrift, die ihr Alfa und Omega war. Wenn A. vermöge seiner tieferen Schriftauffassung ihren Auslegungen nicht beizupflichten vermag, so folgt hieraus durchaus noch nicht, daß sie nicht vermittels dieser Auslegungen die Halacha gewannen. A. darf doch als Historiker nicht so urteilen, wie er es als Tanna gemacht hätte. Wir kommen nun zur Form der Mischna und des Midrasch. Die Mischna gibt die Halacha ohne Anknüpfung an die Schrift, der Midrasch als Auslegungen. Die Mischna besteht aus Gesetzen in abstrakter, der Midrasch in Kommentarform. Wir fragen nun, was ist wahrscheinlicher? Ist es wahrscheinlicher, daß die Gesetze aus dem Kommentar ausgezogen wurden, oder daß der Kommentar aus den Gesetzen sich entwickelte? Haben die Schriftgelehrten seit Esra sich um die Tora nicht gekümmert und, wie etwa eine moderne Gesetzgebung, nach »praktischem Bedürfnis« selbständig Gesetze geschaffen? Gibt es hiefür in der Geschichte der »gesetzlichen« Religionen eine Analogie? War dies dennoch der Fall, warum hießen sie »Schriftgelehrte« (Soferim) und nicht »Gesetzgeber.« Gibt es irrt Hebräischen überhaupt einen Ausdruck für Gesetzgeber? בית דין und חכמים sind doch gewiß jüngere Termini als סופרים und מדרש und bedeuten obendrein keine Gesetzgebung und Gesetzgeber, sondern Gerichtshof und Gelehrte. Das »Sanhedrin«, das eine Art selbständiger Gesetzgebung war, verrät schon durch seinen Namen den fremden Ursprung, ln den Benennungen der einzelnen Zweige des Traditionsstoffes geht fast ohne Ausnahme der Midrasch der Halacha voran, was, wie jeder Kenner weiß, auch chronologische Bedeutung hat. Auch der Name Talmud verrät noch den exegetischen Ursprung. Hillel hat sieben exegetische Regeln zusammengestellt, sie müssen also schon vor ihm vorhanden gewesen sein. Da H. vor unserer