Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Alte Testament in der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 586 (sequence 18)
- Language
- German
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586 Das Alte Testament in der Miscbna. Betrachten wir nun den Inhalt der Mischna genannten Gesetzessammlung. Man denke zuvörderst an die Namen der 6 Ordnungen und der 63 Traktate. Es wird in der ersten Ordnung gehandelt von Pea, Kilajim, Schebiith, Orla, Challa, Bikkurim, Teruma, Maasserot u. s. w. Schon die Namen der Traktate verraten den biblischen Ursprung. Dasselbe gilt im großen und ganzen für die übrigen Ordnungen. Gewiß hat das »Gesetz« nicht auf alle Fragen des »praktischen Lebens« eine direkte Antwort gegeben. Ist es indessen denkbar, daß die Schriftgelehrten keinen Versuch gemacht hätten, das heilige Gotteswort zum Reden zu bringen, d. h; darin zu »forschen?« Da der Inhalt des »geschriebenen Gesetzes« dem Wesen nach mit dem »mündlichen Gesetz« identisch ist, kann die Abstammung des letzteren vom ersteren nicht geleugnet werden. ־Wenn lediglich »das Bedürfnis und das praktische Leben« allein maßgebend gewesen wären, dürfte zwischen den beiden Gesetzsammlungen keine so weitgehende Wesensgleichheit vorhanden sein. Eine bekannte Erscheinung der Rechtsgeschichte ist die F i k t i o n. Wenn das geschriebene Gesetz den praktischen Bedürfnissen durchaus nicht mehr genügt, werden daraus mittels Exegese neue Normen abgeleitet. A. verkennt also auch das Gesetz der rechtsgeschichtlichen Entwickelung, wenn er behauptet, daß neben einem geschriebenen Gesetz sich »unabhängig« ein ungeschriebenes Gesetz entwickelt. A. mag mit der Schriftauslegung der Tannaiten unzufrieden sein, was er ja mit folgenden Worten zum Ausdruck bringt: »Weil sie aber nicht die Fähigkeit hatten, in die Tiefe zu gehen und in das Verständnis der Schrift im eigentlichen Sinne einzudringen, quälten sie sich um so eifriger mit der Schale ab«. So steht es zu lesen Seite 109. Dieser Mangel an »Fähigkeit« hielt sie jedoch nicht ab, in der Schrift zu forsehen, und sie forschten Tag und Nacht ohneWörterbuch und ohne Konkordanz, ohne Uebersetzung und segar ohne Text.