Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Alte Testament in der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 588 (sequence 20)
- Language
- German
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588 Das Alte Testament in der Mischna. Zeitrechnung gelebt hat; müssen diese Regeln mindestens 100 jahre vor Chr. entstanden sein. Hilleis Lehrer, Sehemaja und Abtaljon, werden die »grossen Exegeten« (דרשנים גדודים) genannt. In welcher Epoche soll also »die Halacha selbständig ausgebildet« worden sein? Welche Daten oder auch nur Analogien weiß A. für seine These anzüführen? Antwort : gar keine. Ich kann noch auf •die Targume, besonders auf die palästinischen hinweiseti, die veritable Midraschim sind. Waren nicht diese Paraphrasen die ersten und die Hauptmittel, die das Volk belehrten? Wohin man sich wendet, erhält man die Aufklärung, daß der »Midrasch« älter als die »Halacha«, d. h. die exegetische Form älter als die mischnische sei. Sonderbar ist auch die Behauptung: »Die Anwendung der Schrift in der Haggada hatte ihrer Verbindung mit der Halacha den Weg bereitet«, da »der Schriftbeweis ursprünglich nur in der Haggada heimisch« war (65.) Man fragt billig, warum? Hatte die Schrift göttliche Autorität, warum wurde sie bei der Halacha nicht befragt? Hatte sie keine göttliche Autorität, warum wurde sie bei der Haggada befragt? Wer stellte fest, was Halacha und was Haggada ist, und welche Schriftstellen zu dieser und welche zu jener gehören? Dies vermag auch A. nicht zu bestimmen. Er versuche einmal, eine genaue Definition der Haggada zu geben. Die Tannaiten haben übrigens zwischen Halacha und Haggada keine scharfe Grenzlinie gezogen, wie denn ihre Sammlungen abwechselnd beide enthalten. Den Kern der Aicherschen Anschauungen bilden die folgenden zwei Punkte: 1. Die alten Rabbinen haben die Propheten der Tora gleich gestellt. 2. Das rabbinische Gesetz — die Halacha — sei von der Schrift — dem »Gesetz« — unabhängig entstanden. Es sind also die alten christlichen Ansichten, die Aicher den alten Rabbinen aufbindet. Die Propheten lieferten den Evangelisten die tnessianischen Stellen, folglich müßen sie dem »Gesetz«