Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Alte Testament in der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 578 (sequence 10)
- Language
- German
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578 Pas Alte Testament in der Mischna. oben dargelegten Kanonstheorie zusammen. Danach hatte man einen zweifachen Kanon im Sack, den Kanon des Gesetzes und den Buchkanon der Pharisäer. Beide können friedlich nebeneinander bestehen. Wir wissen, daß die Pharisäer einerseits die gesetzliche Richtung im Judentum stark betonten, anderseits waren sie die Herren in der Synagoge und haben den Buchkanon geschaffen« (36 f.). »Nachdem aber die Propheten in die TOcpxSo:«(; beim mündlichen Gesetz eingerückt, wurde diese Bezeichnung auch üblich im schriftlichen. Denn קבלה ist soviel wie Tradition . . , Wie bemerkt, hat die mündliche Ueberlieferung jedoch nur den Namen hergegeben, im Hintergrund steht der alte Gesetzeskanon . . . Damit ist aber keine Minderschätzung der zweiten und dritten Gruppe des Kanons 1'm Sinne der Lehre und Inspiration ausgesprochen« (37 f.) Es gibt demnach einen Buch- und einen Gesetzeskanon. Der Buchkanon bedeutet die Abgrenzung der heiligen Schriften, also das, was man unter Kanon bisher allgemein verstanden hat. Dies ist klar. Dunkel ist hingegen, was der Gesetzeskanon bedeutet. Aicher meint, die Rabbinen haben für die Gesetze eine Ueberlieferungskette, die bis Moses hinaufreicht, gefordert. Gut. Wie kommt nun dieser Kanon bei der Sammlung oder Abgrenzung der heiligen Schriften zur Anwendung? Gibt es nach dem Gesetzeskanon mehr oder weniger heilige Schriften als nach dem Buchkanon? Findet sich in der rabbinischen Literatur eine Spur dieses zweifachen Kanonprinzipes? Diesen mystischen Gesetzeskanon leitet A. in ultima analysi aus dem Wörtchen (**piß-fi des Josephus ab. Er sagt selbst ausdrücklich: »Sie (Buhl, Budde, Hölscher) übersehen das Wörtchen äv.p1ßvfc« (12). Was nun das Endergebnis anbelangt, daß die jüdische Tradition »keine Minderschätzung der zweiten und dritten Gruppe des Kanons im Sinne der Lehre und Inspiration ausgesprochen« hat, sei bemerkt, daß die jüdische Tradition