Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 567 (sequence 26)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulhuschen Briefe. 567 Reden gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten, welche die Evangelien Jesus in den Mund legen, nicht einmal ein Nachhall durch die Briefe des Paulus geht, obwohl nach den bisherigen Annahmen er doch hauptsächlich jene bekämpft h'atj^ Waren ihm diese Reden Jesu am Ende ganz unbekannt? Oder waren sie zur Zeit der Abfassung der Briefe überhaupt noch nicht vorhanden? Das Schweigen der paulinischen Briefe hierüber ist bei der Annahme, daß Jesus diese Reden wirklich gehalten habe, wie bei der, daß der A po st e I Paulus selbst es gewesen sei, der bei seinem Kampfe gegen das Gesetz keinen Gebrauch von ihnen gemacht habe, vollkommen unerklärlich1). Ebenso unvereinbar mit der Annahme eines jüdischen Verfassers ist folgendes: 1. Kor. 11, 3 ff. erklärt er es als »eirie Schändung des Hauptes«, wenn ein Mann mit b edecktem Haupte bete, oder weissage, während das Weib, das mit unbedecktem Haupte bete, damit ihr Haupt entehre; denn es sei ebensoviel, als wäre sie geschoren«. Er begründet seine Forderung in einer für einen freien Geist recht seltsamen Weise und schließt damit, daß w i r eben eine solche Sitte nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht«. So hätte er als geborener Jude nicht sprechen können und hätte er die jüdische Sitte, daß die Männer bedeckten Hauptes beten, überhaupt gekannt, so hätte er zum mindesten gesagt, richtet euch nicht nach der Weise der Juden, sondern nach eurer hellenischen Sitte. Aber er scheint auch nicht einmal eine Ahnung von jener gehabt zu haben. . .. In diesem Mangel an Kenntnis jüdischer Sitten und Einrichtungen heben sich die paulinischen Briefe ganz auffällig von anderen Schriften der christlichen Frühzeit ab. Aus den Evangelien erhalten wir ein klares Bild ‘) S. m. o. a. Sehr. S. 78 ff.