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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 565

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 565 (sequence 24)
Language
German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe, 565 der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 für erklärlich, der ersten bedeutsamen Tatsache nach Jesu Tode, in der Christen ein Strafgericht sehen konnten. 12. War der Schreiber dieses und der andern paulinischen Briefe ein Jude von Geburt und Erziehung? Diese Frage wurde bereits in früher Zeit gestellt und verneinend beantwortet. Aeltere Kirchenväter, wie Epiphanius (haer. 30, 16) u. A. berichten, daß die judenchristlichen Gegner des Paulus ihn für einen geborenen Griechen halten, der aus Liebe zu einer Priesterstochter in Jerusalem zum Judentum übergetreten sei. Als er aber gleichwohl abgewiesen wurde, habe er im Zorne sich von ihm wieder abgewandt und Schriften gegen die Beschneidung, den Sabbat und das Gesetz überhaupt geschrieben. Geschichtlichen Wert hat diese Erzählung natürlich eben so wenig wie diejenige der Paulus zugeschriebenen Briefe von seiner Abkunft aus dem Stamme Benjamin (Römer 11, 1; Philipp 3, 5). Aber sie ist psychologisch interessant. Sie gibt den Eindruck wieder, den die paulinischen Briefe auf Schrift- und gesetzeskundige Juden jener früheren wie späterer kritischer Zeiten machen, den nämlich, daß ihr Schreiber vom Judentum nur eine sehr geringe Kenntnis besitzt und von dem Gesetze wie einer redet, der ihm nie nahegetreten, es nie in seinem Wesen und in seinem Werte erfaßt hat. Der leidenschaftliche Haß, der ihn bei seinem Kampfe beseelt, rief sodann bei seinen judenchristlichen Gegnern noch weitere Vermutungen überdessen Grund hervor. Diese verdichteten sich allmälich zu Tatsachen und erzeugten eine Reihe ihm feindseliger abenteuerlicher und wunderbarer Geschichten über ihn und seine Kämpfe mit Petrus, Gegenstücke zu den Verherrlichungen des Paulus, wie sie die Apostelgeschichte und die ihm zugeschriebenen Briefe enthalten1). ') S. Judaistische Apostelgeschichten bei Hausrath a. a. O. IV, S. 131 ff. Steck a. a. O. S. 323 ff.

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