Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 558

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 558 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829809-2887909--35624-2887971
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

558 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. Der Einzelne ist diesem Naturgesetz gegenüber machtlos, er hat nach Paulus keinen freien Willen und keine Selbstbestimmung. »Der Mensch ist mithin von Natur im Gesetz des Sündigens befangen, wenn er nicht durch einen Schöpferakt Gottes neu geschaffen wird, so daß die sündigen Qualitäten des Fleisches ersterben. Von diesem Standpunkte aus begreift sich freilich der Satz des Apostels, daß kein Fleisch durch Werke des Gesetzes gerecht werde, insofern es keinem Fleische möglich ist, diese Werke zu vollbringen. Das Gesetz trägt lediglich nichts dazu bei, uns zu einem rechtbeschaffenen Zustande zu verhelfen. Um Gerechtigk eit zu wirken, müßte das Gesetz dem Mensehen nicht bloß sagen, was Gott will, sondern es müßte ihm auch den göttlichen Geist mitteilen, der allein imstande ist, gottgemäße Werke zu üben. Nur in diesem Falle würde der Mensch ein Organ haben, Pneumatisches zu leisten. Allein eine solche Kraft besitzt das Gesetz nicht«1). 1) Hausrath III2 * * * *, S. 83 f. Interessant sind die Parallelen, die Haüsrath in einer Anmerkung (mit Bezug auf Lüdemann, Anthropol. des Paulus, S. 103 f) zwischen den Anschauungen von Philo und P a u l u s zieht: »Auch bei Philo sehen wir den vouc; und die Stdcvota: mit der Sinnlichkeit in einem Kampf, der meist mit dem Siege der letzteren endigt. Nur aber hat der Mensch hier von Hause aus, was nötig ist, um die niederzuhalten, f a 11 s e r nur wil l. Die tcvot) in die Nase des irdischen Adam verlieh dem vou!; occp&apTo; sofort das tcvsü[/.o. ׳O’S'fO'j (Leg. Alleg. p. 50. Mundi opific. p. 32), das nach Paulus erst bei der Wiedergeburt des irdischen Menschen nach dem BiLde des himm lischen Adam dem Wiedergeborenen zu teil wird. Weil Paulus der menschlichen Natur an sich jenes 77vsö(j1a $s£ov abspricht, ist ihm der Mensch unfähig zur Gesetzeserfüllung, während der hellenistische Philosoph, darin ein besserer Jude, glaubt, daß die menschliche Natur zur Gesetzeserfüllung fähig sei« . . . »In letzterer Instanz kommt also die Differenz zwischen Philo und Paulus darauf hinaus, daß für Philo das 7rveü[/.o: ׳frsTov zur ursprünglichen Mitgift der menschlich en Natur gehört, während Paulus sich den Begriff des 7uv£ü{Aa ׳frsTov tür die Christologie reservirt und erst in der :Wiedergebürt nach dem Bilde des Ssüirspo^ 7ASap. dem Gläubigen zu teil werden läßt«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.