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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 557

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 557 (sequence 16)
Language
German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 557 sagt, jeder, der nicht alles erfüllt, was im Gesetze steht, steht unter dem Fluche. Ein so finsterer, an Gott und Menschen verzweifelnder Gedanke ist Rabban Gamaüel nie gekommen. Es war ein schwermütiger Skrupel, der ihm bei dem Psalmworte aufstieg, ein ängstliches Bedenken, das R. Akiba ihm leicht wieder zerstreuen konnte, weil es in der ganzen Anschauung der Schriftgelehrten keinen Grund und Boden hat. Sie glaubten an die Güte der Menschennatur und stellten deshalb an sie die Strenge ihrer Forderungen. Aber sie verkannten auch nicht die Schwäche und Unvollkommenheit selbst der besten und hofften dafür auf die Nachsicht und die erbarmende Liebe Gottes. Dafür brauchen wir nur an Worte zu erinnern wie : אחד המרבה ואחד הממעיט ובלבד שיכוון לבו לשטים »mag der Eine viel, der Andere wenig Opfer bringen, oder mit der Thora sich beschäftigen, wenn nur das Herz zum Himmel erhoben ist«1 *); יש קונה עולמו בבמה שנים ויש קונה עולמו בשעה אחת »Mancher erwirbt sich das ewige Leben erst in vielen Jahren und mancher in einer Stunde«8), מחשבה טובה המקום מצרפה למעשה »die gute Absicht ergänzt vor Gott die unzureichende Tat«3) U. a. m. Nach Paulus aber ist der Mensch von Natur böse, er ist »fleischlich und unter die Sünde verkauft«, »das Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch; dieselben sind wider einandei, so daß ihr schließlieh nicht tuet, was ihr eigentlich wollt«4). »Alle stehen unter der Sünde, wie geschrieben steht: »es ist kein Gerechter da, auch nicht einer«, ein Urteil, das Psalm 14, 1. 3 über Niederträchtig e und Gottlose fällt, Paulus aber unter Verschweigung und Nichtbeachtung di eser Worte auf alle Menschen ausdehnt5). l) Talm. Menachot 110a, Berachot 5b, 17a. s) Aboda sara 17 a. 3) Tosifta Pea 1, 4, Kiduschin 40 a. 4) Römer 7, 14 ff., Galater 5, 17. *) Römer 3, 9 ff.

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