Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 555 (sequence 14)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik: der paulinischen Briefe. 555 »messianischer« und »zukünftiger« Zeit. Jene ist die Erfüllung der prophetischen Verheißungen, eine ideale Gestaltung der seitherigen Verhältnisse, diese eine ganz neue Lebensgestaltung, von der kein Sterblicher eine Vorstellung zu geben vermag, eine Welt, in der kein Sinnentrieb mehr waltet, und in der deshalb auch die auf ihn sich beziehenden biblischen Gebote außer Wirksamkeit treten. Es ist eine Welt, in welche die Seelen der verstorbenen Frommen eintreten. Das Wort R. Josefs ist daher nur eine andere Fassung des Satzes R.Jochanans (c. 250): כיון שטת אדם נעשה חפשי מן התורה ומן המצות mit dem Tode des Menschen hört auch die Wirksamkeit der Thora und ihrer Gebote für ihn auf, es beginnt die Zeit eines reingeistigen Lebens und Genußes1). Das pauiinische Wort vom »Ende des Gesetzes« aber hängt mit dem ganzen paulinischen System zusammen, mit der Annahme, daß das »Gesetz« als etwas Minderwertiges von vornherein nur als »Zuchtmeister« auf Christus hin gegeben worden sei (Galater 3, 21 ff, Römer 5, 20 ff), wie mit der über den jüdisch-messianisehen Glauben weit hinausgehenden Vorstellung von der Bestimmung Christi als des »Sohnes Gottes«. Für das eine wie für das andere wird man vergeblich nach einer Parallele in den rabbinischen Schriften suchen. Eine Aehnlichkeit mit der paulinischen Schriftdeutung: »alle, die auf Gesetzeswerke bauen, sind unter dem Fluch, denn es steht geschrieben, verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in allem dem, was geschrieben steht im Buche des Gesetzes, daß er es ihue« scheint dagegen eine Erzählung des Talmud zu bieten, die sich auf die Schlußworte des Psalms 15 bezieht, ln diesem Psalm stellt David die Frage »Herr, wer darf weilen in deinem Zelt, wer wohnen auf deinem heiligen Berg?« und beant- ‘) Vgl. T. b. Sabbath 30a, 63 a, Spr. der Väler 4, 21. 22. Berächot 17 a.