Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 553

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 553 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829809-2887909--35619-2887966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 553 Wortsinn, wie um den Zusammenhang, in dem sie stehen, nach den bereits feststehenden chris tlic h e n Glaubens m e i n u ngen gedeu t e t, und diese Deutung wird für die einzig richtige erklärt. Die Juden, die sich an den Wortlaut der Schrift halten, sind Knechte des Buchstabens. Die alte Schrift auf dem Pergamente wird zum größten Teil ausgelöscht und darauf mit teilweiser Benützung der noch stehen gebliebenen Schriftzüge etwas Neues geschrieben. Mit allem Ernste werden Dinge behauptet, die zu andern klaren Aussagen der Schrift wie die Faust aufs Auge passen. Mit Recht beklagten sich die Juden schon in früher Zeit über die Willkür, mit der die Christen aus den Propheten und den anderen heiligen Schriften sich nur das aussuchten, was ihnen gefiel und dasjenige, was ihren Ansichten entgegen« stand, unterdrückten und mit Schweigen übergingen1). Ein solches Verfahren mag teilweise daraus zu erklären sein, daß diese, wie andere christliche Schriftsteller, jener und der folgenden Zeiten, nur Sammlungen von Steilen aus der Bibel, welche für ihre Lehren und Anschauungen sprachen, benützten2), sie aber in ihrem ganzen Umfange und aus eigenem Studium nicht kannten. Hinzuzufügen ist aber außerdem noch, daß sie bereits so fest in ihren eigenen christlichen Glaubensanschauungen lebten, daß sie für den klaren Wortlaut der Schrift gar keine Augen mehr hatten und unbedenklich in sie hineinlegten, was ihnen aus ganz anderen Quellen und Voraussetzungen gekommen war. Das gilt für die paulinischen Briefe ebenso wie für die andern genannten Schriften. Ein Mann, der die Schule der Schriftgeiehrten durchgemacht hatte, konnte niemals zu einer solchen Herabsetzung und Verdrehung des Schrift- Wortes kommen, wie sie die dem Paulus zugeschriebenen Briefe enthalten. *) So Trypho in dem Gespräche Justins mit ihm, cap. 27. 2) Vgl. Vollmer a. a. O. S. 43.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.