Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 9)
- Language
- German
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550 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. zu dem Inhalte der von ihnen angeführten Verse, wie ztt dem Zusammenhänge, in dem diese sich befinden, in vollstem Widerspruche stehen. Die Schriftdeutungen der p a u i i n isehen Briefe können nach ihrem Inhalte, wie nach ihrer Form weder mit denen der palästinensisehen Schriftgelehrten, noch mit denen der jüdischhellenistischen Religionsphilosophen, nicht mit denen ihrer und nicht mit denen der folgenden Zeit, in irgend eine Beziehung gebracht werden. Sie haben in der ganzen jüdischen Literatur keine Analogie. Sie haben eine solche nur in den dem zweiten Jahrhunderte angehörigen christlichen Schriften, dem sogenannten Hebräerbriefe, dem Briefe des Barnabas, den Schriften Justins u. a. Diese behandeln vielfach gleiche Themata wie die paulinischen Briefe in einer ihnen ganz ähnlichen Methode. Wenn der dem Paulus zugeschriebene Ga- 1 a t e r b r i ef das Verhältnis von Judentum und Christentum zu einander und ihren Wert im Einzelnen durch eine Auswahl von Schriftstellen aus den Familienverhältnissen Abrahams festzustellen sucht, so sucht der dem Begleiter des Paulus, Barnabas, zugeschriebene Brief, die Frage» wer der Erbe des wahren Glaubens und der Verheißungen der Schrift sei, auch mit Stellen aus dem Familienleben Isaaks und Jakob’s zu beantworten: »Sehen wir aber, ob unser Volk das Erbe hat oder jenes frühere, und ob der Bund sich auf uns oder auf jene bezieht. Vernehmet nun, was die Schrift über das Volk (das erben soll) sagt: Isaak betete für Rebekka, sein Weib, weil sie unfruchtbar war, und sie empfing. Da ging auch Rebekka hin, den Herrn zu befragen, und der Herr sprach zu ihr: Zwei Geschlechter sind in deinem Leibe und zwei Völker in deinem Schoße, und ein Volk wird den Vorrang haben vor dem andern und das ältere wird dem jüngeren dienen. Ihr sollt nun zu