Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 549 (sequence 8)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 549 biblischen Begründung seines Anspruchs auf Lohn und Bezahlung — der in jener Zeit in verschiedenen neutestamentlichen Schriften behandelt und sicherlich auch vielfach bestritten wurde, — nicht anders zu helfen, als indem er die Giltigkeit eines ihm geringfügig oder überflüssig erscheinenden Gesetzes leugnet, die Richtigkeit seines Wortlautes in Frage stellt und an dessen Stelle dasjenige setzt, was gerade seinem Interesse entspricht. Einem solchen Schrifterklärer würde man in einigermaßen gesetzeskundigen Kreisen die Worte entgegengestellt haben עקרת מה שכתוב בתורה »Du hast — und noch dazu um deiner selbst willen — aufgehoben, was die Tora vorgeschrieben hat.« Es erübrigt sich, nach diesen und den oben schon gegebenen Proben, auch die übrigen Schriftdeutungen der paulinischen Briefe einer näheren Prüfung zu unterziehen. Sagt doch Hans Vollmer, ein Vertreter von deren Echtheit, in seiner textkritischen und biblisch-theologischen Prüfung der alttestamentlichen Zitate des Paulus: »wir finden eine derartige Verschiebung des ursprünglichen Sinnes in solchem Maße, daß es leichter ist, diejenigen Stellen zu zählen, wo er ihn treu gewahrt, als diejenigen, wo er ihn hat fahren lassen«1). Nur haben wir nach den von uns gewonnenen Ergebnissen noch hinzuzufügen, daß der oder die Schreiber der paulinischen Briefe weder ein Verständnis noch ein Interesse für den Inhalt und den Sinn der Schrift und für das, was sie klar und deutlich sagt, haben. Sie verwenden sie in rein advokatorischer Weise für das, was sie selbst sagen und nur durch die Autorität der Bibel stützen wollen. Sie lassen nach Belieben Worte daraus weg, fügen andere hinzu und lassen sie Dinge behaupten, die ־) Frbrg. 1895, S. 51 f. u. 59 ff. Von den Schriftstellen, bef denen Paulus dem Wortsinne treu geblieben ist, weiß Vollmer tatsächlich nur eine einzige anzuführen, 2 Kor. 9, 9, vgl. Psalm 112, 9. Und auch diese leitet er vorsichtig mit einem »vielleicht« ein.