Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 529 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. 529 Leben in Schweden zu erwachen anfing, war für die Pamphietenschreiber eine vortreffliche Schule. Während der nächsten Periode, derjenigen Gustavs III., sind sie selten; während der folgenden, der Zeit der Alleinherrschaft, ver• mißt man sie gänzlich. Das bewegte Jahr 1809, als Schweden zu seiner Konstitution kam, hat deren eine Menge aufzuweisen, welche die der folgenden Jahre bis 1815 überwiegt; dann aber steigt die Anzahl wieder beträchtlich. Den größten Anteil an dem literarischen Spektakel dieses Jahres nahm der berüchtigte Literat und Politiker Carl August Grevesmöhlen. Gerade als die Juden im Reichstage am härtesten bedrängt waren, war er es, der ihnen zu Hülfe kam. Daß er es gerade war, gereichte ihnen wohl kaum zum Vorteil. G. war nämlich eine ziemlich zweideutige Person, die sich keines großen Ansehens zu erfreuen hatte. Er war freilich ein witziger Kopf und ein talentvoller Skribent, nicht ohne Kenntnisse und Scharfblick, besonders in der politischen Ökonorme; er war dabei auch ein ziemlich hochgestellter Beamter. Zu seinen guten Eigenschaften gehörte auch, daß alle Bedrückung und Tyrannei ihm verhaßt war, und daß er es nicht scheute, die Großen anzugreifen, was auch in. der Folge die Ursache seines Falles wurde. Dagegen war er ein großer Stänker und ein außerordentlicher Grobian. Seine Feinde behandelte er auf die ungenierteste Weise und nahm keinen Anstand, ihre Ehre in seiner Polemik zu kränken oder mit scharfer Satire ihre intimsten Familienverhältnisse anzugreifen. Gebührende Antwort bekam er aber ebenfalls; Haufen von verkommenen Skribenten stürzten sich auf ihn wie eine Meute von Hunden. Allein — er hielt aus im Kampfe, und wenn er auch nicht über sie siegte — und das war ja nicht möglich — so erlitt er dabei keinen anderen Verlust als denjenigen seines Ansehens, und schließlieh hatte er in dieser Beziehung nicht mehr viel zu verlieren. Am Ende seines Lebens, 1815, also in seinem eigent- Monatsschrift, 51. Jahrgang. 34