Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 530 (sequence 18)
- Language
- German
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530 Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. liehen Kampfjahre — er war damals eigentümlich genug 61 Jahre alt — wurde er zur Verbannung verurteilt und brachte seine letzten Jahre in Norwegen, dem gewöhnlichen Zufluchtsort der schwedischen Landesverwiesenen, zu, wo er im Jahre 1823 starb. Der Freiherr v. Boije, dessen Vortrag im Reichstag oben erwähnt worden ist, war einer unter den eifrigsten Gegnern Grevesmöhlens, im Anfang verhältnismäßig höflieh, aber allmählich hitziger. Nach dem Auf tauchen der Judenfrage erneuerte sich ihr Streit auf diesem Gebiete, und der Haß Grevesmöhlens gegen Boije hat sicherlich dazu beigetragen, daß sich jener auf die Seite der Juden stellte. Andere Ursachen dazu waren seine liberalen nationalökonomischen Ansichten, sein Haß gegen alle Unterdrückung und — nicht zum wenigsten —- seine Dienstfertigkeit gegen den in, den Prinzipien der französischen Revolution großgewordenen Kronprinzen — den späteren König Karl Johann— dessen Erwählung zum schwedischen Thronfolger er unterstützt hatte, und der ihn als politischen Agenten verwendete. Der Schriftwechsel zwischen Grevesmöhlen und Boije bestand gewöhnlich mehr in Invektiven als in sachlicher Behandlung der Judenfrage und endigte für Boije mit Gefängnis, für Grevesmöhlen, wie gesagt, mit Verbannung. Gleichzeitig polemisierte G. mit den oben erwähnten Kaufleuten Wegelin und Stabeck. Da er indessen gegen diese nicht dieselbe Ursache zum Haß wie gegen Boije hatte, waren seine Schriften gegen sie weniger unhöflich und mehr sachlich. Gegen den Kommerzienrat Wegelin, der im Bürgerstände d. 1. Mai ein Memorial wider die Juden eingereicht hatte, schrieb er anonym »Einige Erinnerungen«, eine Schrift die in der Tat ein Muster erfinderischer Polemik und energischer Beweisführung war. Was erstens die Religion betreffe, so zeigt er, daß diese anderen nicht schaden könne, da die Juden gegen andere Religionen