Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 515 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. 515 deutsche Priester Christophor Bezelius in Stockholm eine erbauliche mit Illustrationen versehene Schrift herausgegeben hat, worin er in tiefsinniger Art einiges über die Theorie der Judenbekehrungen mitteilt. Karl XII. (1697—1718) war etwas freundlicher gegen die Juden gesinnt, und während des Anfangs des 17. Jahrhunderts erschienen hin und wieder Verordnungen, die den Juden das Recht gaben, sich in einigen kleineren Städten niederzulassen und sogar die Jahrmärkte zu besuchen, wogegen ihnen streng verboten wurde, im Lande herumzustreifen. Der religiöse Gesichtspunkt, der mit der verknöcherten Strenggläubigkeit und dem zelotischen Hasse gegen jede abweichende religiöse Ansicht zusammenhing, welche für das Luthertum in dessen frühestem Auftreten so charakteristisch waren, fing im Anfang des 18. Jahrhunderts an ein wenig nachzulassen, in Betreff der Juden begannen jetzt ökonomische Gesichtspunkte sich in den Vordergrund zu drängen. Der Glaubensartikel von dem Bedürfnis der Volksvermehrung und des Zuwachses des Kapitals im Zusammenhang mit der Überzeugung von den Reichtümern und der Betriebsamkeit der Juden, später auch die sich von Frankreich allmählich ausbreitenden Toleranzideen gaben dazu Anlaß, daß man einzelnen Juden durch die Finger sah, wenn sie sich ohne Erlaubnis im Lande aufhielten und ihnen sogar hie und da Freiheiten außerhalb der Grenzen des Gesetzes einräumte. Das erste Dokument, welches diese Religionsfreiheit proklamiert, ist des schwedischen Freiherrn von Liljencrantz Memorial, betreffend »die Bewilligung einer freieren Religionsübung, um wohlhabende Juden in Schweden hereinzulocken«, 1760 aus Amsterdam übersandt, was sehr bezeichnend ist. Der Verfasser zeigt hier, daß die eigentliche Stärke eines Landes in einer großen Anzahl von Gewerbsleuten bestehe, und daß andere Länder, wie z. B. Holland, von 33*