Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829809-2887908--35579-2887927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
514 Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. blühenden Gesellschaft entwickelt mit ziemlich großer Wohlhabenheit und deutlicher Anlage zu fernerer Vervollkommnung. Von vielen beneidet, von einigen sympathisch betrachtet, wurde die Existenz der Juden in diesem Jahre Gegenstand etlicher Versuche zu neuen Gesetzgebungsmaßregeln, und die Debatten hierüber spiegeltem natürlich die verschiedenen Ansichten über ihre Existenzberechtigung ab. Diese Vorschläge und Debatten erzeugten wieder eine Unmasse von Streitschriften verschiedener Art von ruhiger sachlicher Auseinandersetzung bis zu den giftigsten und unsinnigsten Skandalschriften, Es ist speziell diese Literatur, im Zusammenhang mit den amtlichen Schriften und Äußerungen, über welche ich hier zu berichten habe. Ehe ich auf den Gegenstand eingehe, will ich eine gedrängte Übersicht über die kurze Geschichte der Juden in Schweden vor diesem Jahre geben, eine Geschichte, deren Literatur sich bis jetzt• auf einige kurze Mitteilungen in verschiedenen Zeitschriften und in den gewöhnlichen Konversationslexicis beschränkt. Die Juden sind in Schweden nicht alt. Während sie in anderen Ländern eine Geschichte haben, die bis tief ins Mittelalter zurückgeht, finden wir sie hier erst am Ende des 17. Jahrhunderts, und auch dann bloß einzelne Personen oder Familien, die sich nur durch die Taufe einer sofortigen Ausweisung entziehen konnten. Diese Strenge ist ausschließlich von r e 1 i g i ö s e*h Rücksichten beeinflußt. Man glaubte im Ernst, daß der Aufenthalt einiger Juden im Lande die reine evangelische Lehre einer großen Gefahr aussetzte, und diese Ansicht bringt auch die Kirchenordnung vom Jahre 1686 zum Ausdruck. Eine andere Seite der Fürsorge für die Rechtgläubigkeit war der Jubel, womit einzelne Judentaufen begrüßt wurden. Eine solche, von welcher viel Aufhebens gemacht wurde, war die vom Jahre 1681, welche mit stattlichen Zeremonien und weitläufigen Predigten gefeiert wurde, und über welche der