Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Redaktion der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 6)
- Language
- German
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434 Zur Redaktion der Mischna. Mischna ausschließlich. die Halacha als Ziel vorgeschwebt hätte. Hat sie nun aber, wie jetzt über allen Zweifel feststeht, tatsächlich dieses Ziel vor Augen gehabt, so folgt daraus mit Notwendigkeit, daß die Mischna auf irgend eine Weise zu erkennen gegeben haben müsse, welche Ansicht sie als Halacha, als giftige Norm angesehen wissen wollte, und es tritt nunmehr an uns nun die Aufgabe heran, die Mittel und Wege ausfindig zu machen, deren die Mischna zu diesem Zwecke sich bedient habe. Mit andern Worten, die Frage, vor welche wir uns jetzt gestellt sehen, lautet dahin: Wie d eutet di e M is chna die Halach a an? Der Beantwortung dieser Frage, die unseres Wissens bisher noch nie aufgeworfen worden ist, wollen wir uns nunmehr zuwenden. III. Wie deutet die Mischna die Halacha an? Der Kanon R. Jochanans. Einen sehr wertvollen Fingerzeig zur Lösung dieser Frage bietet urts der aus dem babylonischen Talmud1) bekannte Kanon, den R. Jochanan für die Halacha aufgestellt hat. Freilich ist dadurch, daß dieser Kanon nachträglich im Talmud vielfach in erweitertem Sinne Anwendung gefunden hat, seine ursprüngliche Bedeutung ziemlich verwischt worden und allmählich dann ganz abhanden gekommen, so daß diese erst von neuem wieder eruiert werden muß, wenn der Kanon für unseren Zweck überhaupt verwendbar sein soll. Es wird aber die richtige Erkenntnis desselben wesentlich erleichtern und fördern, wenn wir, bevor wir auf den Kanon selbst eingehen, vorerst einige bestimmte Formen der Mischna uns vergegenwärtigen und näher ins Auge fassen. Bekanntlich wird ein Ausspruch der Mischna, sofern J) Vgl. jebamöth 42 b.