Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 427

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 427 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887766--35489-2887827
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 427 bei den übrigen Aposteln, den unmittelbaren Jüngern Jesu, Aufklärung und Nachrichten, Lehre und Unterricht über ihn gesucht hätte. Gerade das tut er aber nicht! Er bespricht sich nicht mit ihnen, ja, er weicht ihnen aus, geht nicht nach Jerusalem, sondern sofort nach Arabien, dann wieder nach Damaskus und erst nach drei Jahren nach Jerusalem, um Kephas kennen zil lernen und außer ihm sieht er nur »Jakobus, den Bruder des Herrn.« Dann geht er wieder nach Syrien und Cilicien. Demgemäß rühmt er sich auch, daß das Evangelium, das er predigt, »kein Menschenwerk ist. Denn ich habe es weder durch einen Menschen empfangen, noch erlernt, sondern durch ein« Offenbarung Jesu Christi.« (Galater 1, 11 ff.). In der Tat ist auch seine Predigt eine ganz neue und von der der unmittelbaren Jünger Jesu durchaus verschieden. »Das einzige Geschichtsmaterial, auf die seine Theologie sich aufbaut,« sagt Pfleiderer, sind »der Kreuzestod Jesu und die Erscheinungen des Auferstandenen, wie er denn selbst seine Lehre das Wort vom Kreuze genannt hat und von nichts anderem wissen wollte, als von Jesus Christus als dem Gekreuzigten (1. Kor. 1, 18, 22. 2, 2). Hingegen bleibt das irdische Leben Jesu ganz außer Betracht und auf Worte Jesu wird nur viermal Bezug genommen (1 Kor. 7, 10, 9, 14, 11, 24 f. 1 Thess. 4, 15).1) Hier klafft eine Lücke, über die kein Wunder und keine Dialektik hinweghilft. Mit Recht sagt vielmehr van Manen:2) »Man bedenke, was es heißen will für einen so ernstgesinnten und frommen Juden, wie den eben bekehrten Paulus, den Gott seiner Väter zu lassen und sich vor einem solchen zu beugen, den man bis dahin nicht gekannt hatte. Man denke an die Anhänglichkeit des frommen Juden an das Gesetz, an die durch dasselbe vorgeschriebenen Sitten und Gebräuche. Man stelle sich vor, was J) Das. S. 77. ף a. a. O. S. 136 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.