Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. dazu nötig ist; um jemanden, den man noch kürzlich für einen Betrüger gehalten hat und der vor etwa drei Jahren als ein Missetäter am Kreuz gestorben ist, wenn man auch jetzt von seiner Unschuld, sowie von seinem hohen Beruf überzeugt ist, als Gesalbter Gottes aufzutreten, was dazu nötig ist, um diesen für ein übernatürliches Wesen, den eigenen Sohn Gottes zu erklären«.. »Der Glaube an Jesu Auferstehung und verklärtes Leben konnte nicht dazu führen, so wenig als er die ersten Jünger zu einer Vergöttlichung des Meisters geführt hatte, denn auch ein Henoch, ein Moses, ein Elias lebten in den Himmel aufgenommen, wie man meinte; doch sie hatten dabei in der Vorstellung der Gläubigen nicht aufgehört, Menschen, wie sie gewesen, zu sein. Hier ist deutlich der Einfluß von nicht ursprünglich jüdischen Gedanken sichtbar, Gedanken orientalischer Gnosis, die ihrerseits mit griechischer Philo- Sophie und Vorstellungen aus der Götterwelt der Heiden in Berührung gekommen war« ..... »Wäre das Christentum nicht durch »Paulus« in Berührung mit der Gnosis gekommen und wäre es auf die Dauer unter der Leitung des jüdischen Geistes geblieben, so würde der Monotheismus Israels es wohl vor einer »Vergöttlichung« seines »Stifters« bewahrt haben, ebensogut, wie in den Tagen der Väter Moses der Stifter der Religion Israels von der Vergöttlichung bewahrt geblieben ist«.