Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 424

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 424 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887766--35486-2887824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

424 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. darum keinen Anspruch machen, weil sie untereinander mehrfach in Widerspruch stehen«. Er versucht aber trotzdem ihre Erzählung von dem Wunder von Damaskus psychologisch glaubhaft zu machen. Er erklärt den Glauben des Paulus an eine ihm gewordene Vision aus seiner »nervösen, reizbaren Organisation, welche von Hause aus zu visionären Zuständen disponiert war« und in der »einsamen •Stille unter der sengenden Glut der Wüste« wunderbare Erscheinungen und Stimmen wahrzunehmen vermeinte. Das ist eine noch allenfalls annehmbare Erklärung. Aber Pfleiderer begnügt sich mit dieser nicht, sondern erfährt weiter fort: »Mit diesem ekstatisch-visionären oder enthusiastischen Erlebnis trat ein völliger Umschwung im Geiste des bisherigen Pharisäers und Gesetzeseiferers ein, es war ihm, als wäre er eine »neue Schöpfung«, »mit Christus für die Welt gekreuzigt, wie sie für ihn, als lebte nicht mehr sein erstes Ich, sondern nur noch Christus in ihm«. (Gal. 2, 19 f. 6,14 f. II. Kor. 5, 14 ff.) »Paulus hatte eben darum die Jüngergemeinde so fanatisch verfolgt, weil er von Anfang an den unversöhnlichen Gegensatz zwischen dem Glauben an einen gekreuzigten Messias und der jüdischen Denkweise klar durchschaute; »verflucht ist }eder, der am Holze hängt!« Durch dieses Gesetzeswort (Gal. 3,13) schien ihm der Glaube an den gekreuzigten Jesus unerbittlich verurteilt zu sein. Nun hatte er sich aber überzeugt, daß dieser Glaube doch recht habe, weil 'der Gekreuzigte durch die Auferstehung als der Messias und der Sohn Gottes erwiesen sei. Dann aber konnte das Gesetz mit seiner Verfluchung des Gekreuzigten nicht mehr im Rechte sein. Die Verwerfung des Kreuzestodes durch das Gesetz schlug jetzt im Denken des Paulus um zur Verwerfung des Gesetzes durch den Kreuzestod des Messias Jesus. So wurde der Kreuzestod Jesu zusammen mit der, in seiner Auferstehung liegenden göttlichen Recht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.