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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 422

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 422 (sequence 28)
Language
German
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422 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe״ werden, כדרך שהמלכות עושה »wie die römische Regierung es tut«, d. h. die Kreuzigung eines Lebenden war nach dem jüdischen Rechte überhaupt verboten i1) Auch der aufgehängte Leichnam sollte baldigst noch vor einbrechender Nacht wieder abgenommen werden — zur Ehre Gottes. Denn allein schon der Vorfall einer Gotteslästerung ist eine Herabsetzung Gottes. Sie faßten also die Worte כי קללת אל׳ תלוי in dem Sinne »denn eine Lästerung »oder eine Herabsetzung« Gottes bedeutet ein Gehängter«. Mit dieser altjüdischen Erklärung hat also die Fassung der Stelle durch den Galater-Brief nicht die geringste Verbindung. Er folgt vielmehr wieder der griechischen Übersetzung der Septuaginta, welche der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes קללת als »Fluch« entsprechend den angeführten Satz folgendermaßen übersetzt: xe/.a׳rapoc|xsvo? u7rd• ■frsoö wa?xpep.«(*svos £■1״ yXoi). »Ein von Gott verf luchter ist Jeder, der an einem Holze auf gehängt worden ist«. Aber er weicht auch wieder in sehr bemerken swerter Weise von ihr ab und übersetzt iro:c.oc׳v<£poac׳ro? tck; 6 ־/.ps(j׳.«t/.£vos 81דד EAou. Er unterdrückt also die Worte ü זי ö d• s 0 Ci, welche die griechische Übersetzung dem Urtexte getreu enthält. Sehr begreiflicherweise. Er konnte doch den an das Kreuz geschlagenen Jesus nicht als einen »von Gott Verfluchten« bezeichnen. Das Einfachste wäre danach für ihn gewesen, dieser Schriftstelle überhaupt aus dem Wege zu gehen. Das ging jedoch wohl deshalb nicht an, weil sie vermutlich bei den Religionsgesprächen von Christen und Juden eine hervorragende Rolle spielte. Diese mochten der Behauptung von der Messianität Jesu gegenüber sich auf sie berufen und erklären, daß ein an einem Kreuze Aufgehängter nicht als Messias angesehen werden könne. Das nötigte die Christen 0 Über weitere Unstimmigkeiten zwischen den Berichten der Evangelien über den Prozeß Jesu und den jüdischen Gerichts- Verhältnissen s. Joel, Blicke in die Religionsgesch. 1883 11, 64 ff.

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