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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 415

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 415 (sequence 21)
Language
German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 415 steht geschrieben (5. B. M. 27, 26) »Verflucht sei jede rmann, der nicht bleibt in allem dem, was geschrieben steht im Buche des Gesetzes, daß er es tue.« Der für diese krasse Behauptung versuchte Beweis ruht auf dem gesperrt gedruckten Worte »allem« und will daraus ableiten, daß vom »Fluche« nur frei bleibt, wer alle Gesetze erfüllt, nicht aber derjenige, der auch nur eines schuldig bleibt oder gegen eines verstößt. Weil das nicht möglich ist, kann das »Gesetz« vor Gott nicht gerecht machen, sondern nur der »Glaube« an Christus. Einen Beweis gleicher Art will Vers 12 aus dem 3. B. M. 18, 5 erbringen : »Wer das al 11 e s getan hat, wird darin das Leben finden.« Nun finden sich aber in beiden Schriftversen des hebräischen Textes gerade die entscheidenden Worte »alles« und in »allem« nicht. Sie finden sich nur in der Septuaginta. In dieser ist auch im 5. B. M. 27, 26 ein 7wc$ av&pwTvog eingeschoben, das der Urtext nicht hat. Ob diese Zusätze schon ursprünglich in der Septuaginta standen, oder erst später nach der paulinischen Deutung in sie hinein interpoliert worden sind, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls aber ist diese mit allem Ernst sich gebende Deutung mit dem hebräischen Texteunverträglich. Die ihr zugrunde liegende Meinung ist zweifellos in einem ganz andern Gedankenkreise als in dem von Juden entstanden, dann hat man für sie eine Schriftstelle gesucht und sie mühseliger und gewaltsamer Weise in den angeführten Versen zu finden geglaubt, obwohl diese nicht nur nach ihrem Wortlaute, sondern auch nach ihrem ganzen Zusammenhänge mit der ihnen aufgezwungenen Deutung nicht das geringste zu tun haben. Der zuerst angeführte Vers (5. B. 27, 26) insbesondere ist der Schlußsatz der von Moses gegebenen Weisung, daß die Israeliten nach der Besitznahme von Kanaan in feierlicher Versammlung aller Stämme sich zur

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