Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 20)
- Language
- German
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414 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. Er behauptet, es sei nicht als ein solches gegeben worden, »das wahres Leben geben könnte«. Gerade das aber behauptet dieses Gesetz von sich selbst. Es bezeichnet seine »Gebote und Rechte« als solche, »durch die der Mensch, wenn er sie übt, Leben gewinnt«, als »die Weisheit und Einsicht Israels in den Augen der Völker«, als ein »Zeugnis der Liebe« Gottes, als die Bedingung seines Segens, als die Gerechtigkeit und das Heil für• alle Geschlechter, als eine vollkommene Lehre, die die Seele labt und das Herz erfreut, als einen Baum des Lebens für die, die daran sich halten (3. B. M. 18, 5. 36, 3 ff. 5. B. M. 4, 6. 40. 5, 26. 30. 6, 24 f. 11, 1. 26 f. 30, 15 ff. Jes. 1, 19. 40, 6 f. Ps. 19, 8 ff. Spr. 3, 18). Und der 119. Psalm ist ein mehr als hundertfaches Preislied auf den Wert des Gesetzes. Kein Schriftgelehrter, kein Mann, der irgendwie mit dem Gesetze vertraut war, konnte solche Worte, wie die aus den beiden Briefen angeführten, schreiben, sondern nur ein solcher, der das Gesetz im ganzen verwirft und im einzelnen nicht kennt, der nur eine Anzahl für seinen Zweck passender Schriftstellen auswählt und behandelt und infolge seines mangelnden Verständnisses der Schrift sich des schroffen Widerspruches gar nicht bewußt wird, in den er sich durch seine Worte mit ihr, wie mit sich selbst bringt. Ein Schriftgelehrter hätte ferner für seine, aus der Schrift abgeleiteten, Beweise den hebräischen Urtext benützt. Die paulinischen Briefe aber kümmern sich um ihn gar nicht und kennen für ihre Schriftbeweise nur die griechische Übersetzung der Septuaginta. Sie kommen infolge dessen zu Behauptungen, die ein Blick auf den Urtext als unhaltbar erwiesen hätte. Ein bezeichnendes Beispiel hierfür sind die aus dem Galaterbriefe (3, 10) angeführten Verse: »Alle aber, die auf Gesetzeswerke bauen, sind unter dem Fluch. Denn es