Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 19)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 413 nun aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister.« Die hier ausgesprochene Auffassung vom »Gesetze« findet sich auch im Briefe an die Römer, nur noch bizarrer und noch weniger verständlich dargelegt (7,7, 12, 13): »Was wollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht gekannt ohne das Gesetz; und ich hätte auch die böse Lust nicht gekannt, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: »Lasse dich nicht gelüsten«. »Mithin ist das Gesetz selbst heilig und das Verbot ist heilig, recht und gut. Ist also das Gute mir zum Tode ausgeschlagen? Das sei ferne! Aber die Sünde, auf daß sie erscheine, wie sie Sünde ist, hat sie mir durch das Gute den Tod gewirket, auf daß die Sünde würde überaus sündig durch’s Gebot.« »Der Apostel,« sagt F. Chr. Baur1), diese seltsamen und Widerspruchsvollen Worte erklärend, »setzt das Gesetz noch dadurch herunter, daß er es nicht nur als etwas Provisorisches, bloß interimistisch Geltendes betrachtet, sondern ihm geradezu nur den Zweck zuschreibt, die Sündhaftigkeit hervorzurufen und zu mehren, die Sünde, nachdem sie einmal eine herrschende Macht in der Welt geworden war, zu ihrer vollen konkreten Erscheinung zu bringen« .... »Die Gnade kann nicht mächtig werden, ehe die Sünde in ihrem ganzen Umfange sich entwickelt hat.« Eine derartige Auffassung des Gesetzes ist die vollständige Verleugnung des Judentums, das Paulus, der angebliche Schreiber dieser Briefe vorher bekannt haben soll, ist die Verbrennung dessen, was er vorher angebetet hat. Noch mehr. Er tritt mit seinen Worten in den feindseligsten Gegensatz zu diesem Gesetze. Er nennt es zwar »heilig« und »geistlich«, er nimmt an, daß es »Gottes Verheißungen« enthalte, zugleich aber straft er es Lügen. J) »Das Christentum und die christliche Kirche der drei ersten Jahrhunderte«. I, S. 47.