Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 18)
- Language
- German
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412 Zur Geschichte und Charakteristik der paulmischen Briefe. Christentums um die Wende des ersten Jahrhunderts entstanden ist, zeigt sich uns ganz besonders, wenn wir ihr Verhältnis zur heiligen Schrift, oder, wie sie es nennen, zum »Gesetz« und ihre Beziehungen zum Judentum überhaupt in’s Auge fassen. Im Briefe an die Galater, der im wesentlichen der gleichen religiösen Richtung, wie der Römerbrief angehört, heißt es (3, 10—14) : »Denn die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch. Denn es stehet geschrieben »Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in allem dem, das geschrieben steht in dem Buche des Gesetzes, daß er es tue.« Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar, denn »wer durch den Glauben gerecht wird, wird das Leben haben.« Das Gesetz aber steht nicht auf dem Glauben, sondern da gilt »wer das a l 1 e s getan hat, wird darin das Leben finden.« Christus aber hat uns losgekauft vom Fluche des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns. Denn geschrieben steht: »Verflucht ist jedermann, der am Holze hängt,« auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu und wir also den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben« .... »Stehet also,« so fragt er weiter (V. 21 ff.) »das Gesetz mit Gottes Verheißungen in Widerspruch? Das sei ferne! Nur wenn das Gesetz g e g eben wäre als ein solches, das wahres L e b e n g e b e n könate, ■so gäbe es wirklich eine Gerechtigkeit aus dem Gesetz. Aber die Schrift faßt ja alle als Sünder zusammen, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus verliehen werde denen, die da glaub e n. Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahret und eingeschlossen bis zur Zeit des Glaubens, der erst sollte geoffenbart werden. Also ist das Gesetz unser Zu chtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. Seit