Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 16)
- Language
- German
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410 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinfschen Briefe. aber älter als die nach Paulus genannten Briefe, die ebenso, wie die darin aufgenommenen und ihnen zugrunde gelegten Stücke dazu dienen mußten, um ihn in seinen verschiedenen Schattierungen, bald von der einen bald von der andern Seite zu beschreiben, anzuempfehlen und zu verteidigen. Wir dürfen nicht vergessen, daß diese Beschreibung und Verteidigung, wenigstens was die Briefe in ihrer jetzigen Form betrifft, nicht von denen herrührt, die die Väter des Paulinismus heißen dürfen, und daß sie sich immer nur auf einige Punkte oder gewisse Seiten der Richtung oder Erscheinung bezieht, die wir Paulinismus nennen. Der »Paulinismus repräsentiert eine Richtung, eine interessante Form der Entwickelung im religiösen Denken und Glauben derer, die sich in der einen oder andern Weise nach Jesus nannten und ihn als Messias erwarteten. Eine Frucht neuen, lebhaften religiösen Lebens, entstanden unter dem Einfluß der griechisch-alexandrinischen Philosophie,kann er betrachtet werden als eine tiefeingreifende Reformation des jungen Christentums, als ein stolzer, anfänglich vielleicht sich dessen nicht bewußter Versuch, das Christentum vom Judentum loszutrennen und zur universalistischen oder Weltreligion zu erheben.« (S. 194 f.) Als die Zeit, in der diese neue Auffassung des Christentums sich bildete, nimmt van Manen das erste V i e r t e 1 des zweiten Jahrhunderts an, als ihr Vaterland Syrien. Dorthin weist der Gebrauch des Gottesnamens ’Aßߣ (Römer 8, 15, Galater 4, 6), des Ausdrucks p.aai.v ä-9-a (1 Kor. 16, 22), des Eigennamens Krtyas für Petrus und ganz besonders die enge Verwandtschaft des Paulinismus mit der Gnosis. Diese hatte ihre Wiege in Antiochien, und ihr ist der Paulinismus in vielen seiner Anschauungen verwandt, insbesondere der dualistischen, die Gott und Welt, seine und ihre Weisheit, Gott und Satan, Gott und seinen Sohn auf der einen und eine Reihe feindlicher Mächte auf der andern Seite einander schroff