Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 15)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe, 409 denn in ihm selbst sich entwickelt hätten. Ich denke dabei besonders an die Vorstellungen, die wir als mit der Gnosis verwandt kennen lernten, aber auch an die griechische Philosophie und die heidnische Vielgötterei, an dje Vor- Stellungen vom Vater als dem bis heute unbekannten höchsten Gott, dessen Auftreten die Entthronung der gegenwärtigen, weltregierenden Mächte, also auch von Israels Gott zur Folge haben wird, an die Vorstellung vom Sohne Gottes, einem überirdischen Wesen, erschienen in »Gleichheit des sündigen Fleisches« und für das Auge der Menschen eins mit Jesus, in dem seine Freunde und Verehrer nach seinem Scheiden den Messias begrüßt haben, bis endlich durch Offenbarung auch hinsichtlich seiner Person die volle Wahrheit an’s Licht gekommen ist« ... . »Wir wissen ebensowenig, warum man den Paulinismus nach Paulus, wie warum man die johanneische Riehtung nach Johannes genannt hat....« Es ist »möglich, daß die neue Bewegung, die wir jetzt den Paulinismus nennen, sich deshalb um das Losungswort »Paulus« scharte und ihn als Schirmherrn wählte, den sie danach in Apostelgeschichten und Briefen verherrlichte, weil der bekannte umherreisende Prediger Paulus mehr als ein anderer der Apostel, die vor ihm für die Ausbreitung des Christentums in seiner ersten Gestalt gewirkt hatten, ein Mann nach ihrem Herzen war. Vielleicht zog sie mancherlei an: seine kluge Persönlichkeit, sein Missionseifer, sein freisinniges Benehmen im Umgänge mit Heiden« .... »Vielleicht war es etwas anderes, das sie in ihrer Wahl leitete: Die reiche Ausschmückung des Lebensbildes des Apostels« .... »Vielleicht auch nur zufällige Bewunderung für diesen Helden, die bei diesem, oder jenem erweckt war.« Nur denke man nicht an einen innern Zusammenhang zwischen Paulus und dem Paulinismus.« (S. 201—208). Der P au 1 inismus ist viel j ün g e r äls Paulus,