Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 14)
- Language
- German
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408 Zur Geschichte und Charakteristik der paulirtischen Briefe. seine Weise den Paulinismus erläutern und verteidigen. Wie soll er das, soweit es die Form betrifft, besser tun;können und mit mehr Aussicht auf Erfolg, als wenn er dem vorausgesetzten Vater des Paulinismus das Wort gibt mnd ihn zeugen läßt von dem, was, wie man annahm, sein Herz erfüllt hatte? So erhielt das Werk mit der beabsichtigten Charakterisierung des Inhalts zugleich den erwünschten Stempel yon relativem Alter, von Würde und Zuverlässigkeit. Der Name »Paulus« war zugleich ein deckender Schild, ein Losungswort und eine Empfehlung.« (S. 204). Ob der Apostel Paulus, dessen geschichtliche Existenz in keiner Weise in Frage zu stellen ist, und von dessen Wirksamkeit die Apostelgeschichte, wenn auch mit vielen sagenhaften und ihn verherrlichenden Ausschmückungen, erzählt, der später an seinen Namen anknüpfenden Bewegung wirklich geistesverwandt, oder gar ihr Urheber war, diese Frage glaubt van Manen verneinen zu müssen. Er hält diesen geschichtlichen Paulus für einen wandernden Prediger, der a u ße r h a I b Palästinas, in Antiochien, Kleinasien, Griechenland und Rom, mit Eifer die Sache Jesu unter Juden und Heiden vertreten hat, in seiner Geistesrichtung aber sich wenig von den übrigen J ü n g e r n Jesu unterschied, wenn er auch vielleicht »ein wenig freier« als Petrus war. »Er war doch in jedem Falle der geborene Jude, der am allerwenigsten dem Judentum den Rücken gedreht hätte. Er predigt Beschneidung/ das will sagen, Treue gegen die Sitten und Gebräuche des Judentums, Treue gegen das Gesetz, trotz seines Anschlusses an den Glauben und an die Erwartungen der Jünger Jesu . . . .« Der Paulus der Briefe aber ist »mehr als ein freisinniger Jude, hat mit dem Judentum vollständig gebrocheh, spricht aus dem Bewußtsein eines Griechen heraus und trägt Sätze vor; die bei ihm als ehemaligem Israeliten, nicht leicht Anklang gefunden haben würden, geschweige